Fette Kinder weg von den Eltern?

Großbritannien: Kommunen warnen vor drastischen Maßnahmen gegen die Fettleibigkeit

Es gibt nicht wenige, für die es eine unumstößliche Gewissheit ist, dass Kinder vor allem in der Obhut der Familie gedeihen. Doch manchmal gedeihen sie dort auch auf ungesunde Weise. So fürchtet die Landesvertretung der englischen Kommunalregierungen (Local Government Association – LGA), dass manche Eltern nicht genug auf das Gewicht ihrer Kinder achten und damit die Gesundheit ihrer Kinder auf eine ernstzunehmende Weise gefährden. Das Vereinigte Königreich sei in Gefahr zur "Welt-Kapitale der Fettleibigen" zu werden, fürchtet die LGA, die über 400 Kommunalregierungen in England und Wales vertritt.

Angesichts einer sich abzeichnenden Fettleibigkeits-"Epidemie" sucht die Vereinigung jetzt eine landesweite Debatte - mit drastischen Drohungen, welche die (an allerhand staatliche Eingriffspläne gewohnten) britischen Eltern schockieren sollen: "Die dicksten Kinder sollen ihren Eltern weggenommen werden".

Wenn man bei Unterernährung von Kindern eingreife, warum soll dann ungesundes Übergewicht kein Fall für die Behörden sein?, fragt der LGA-Verteter. Bislang hätten die örtlichen Sozialdienste zwar nur mit vereinzelten Fällen zu tun, wo man die Eltern dafür verantwortlich gemacht hat, dass sie die Gesundheit ihrer Kinder aufs Spiel setzen. Das könnte sich aber schon bald ändern.

Die Fettleibigkeit werde immer mehr zum Problem und die Behörden würden bald dazu gezwungen, stärker einzugreifen. Bis 2012 schätzt man, dass eine Million Kinder in England überaus dick sein werden, bis 2025 könnte ein Viertel aller Jungs an übermäßigem Übergewicht leiden.

Schon jetzt sei die Auswirkung der Fettleibigkeit auf die kommunalen Dienste beträchtlich, zum Beleg führt man die gestiegenen Kosten im Zusammenhang mit Folgekrankheiten an, aber auch Mehrausgaben für neu anzufertigende Schulmöbel, größere Verbrennungsöfen in Krematorien, besondere Feuerwehreinsätze bei der Rettung von "obese members of the public", und die Neuausstattung von Krankenwagen an. Zudem befürchtet man, dass künftig immer weniger Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln Platz finden würden.