Finanzkrise und Kriege werfen globale Entwicklung zurück

UN-Entwicklungsprogramm UNDP stellt in Tokio diesjährigen "Human Development Report" vor

Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP hat in seinem jährlichen Bericht vor den Folgen der andauernden Weltwirtschaftskrise für die Staaten des Südens gewarnt. Zugleich sprachen sich die Autoren des diesjährigen "Human Development Report" für eine grundlegende soziale Absicherung der von Armut gefährdeten Gruppen aus. Weltweit müsse eine Arbeitsmarktpolitik durchgesetzt werden, die auf Vollbeschäftigung anziele, heißt es in dem 239-seitigen Rapport. Bei der Bilanz der globalen Sozialentwicklung hebt der Bericht auch die negativen Folgen von Interventionskriegen der USA und anderer NATO-Staate hervor.

Nach des Statistiken des UNDP nach müssen 1,2 Milliarden Menschen weltweit in extremer Armut leben. Das bedeutet, dass sie ihren Lebensunterhalt mit 1,25 US-Dollar (rund 0,92 Euro) oder weniger täglich bestreiten. Etwa 1,5 Milliarden Menschen in 91 Entwicklungsländern fehle es an ausreichender Gesundheitsversorgung, Bildung oder anderen sozialen Dienstleistungen. Fast 800 Millionen Menschen lebten in der Gefahr, bei Krisen wieder unter die Armutsschwelle abzufallen.

Nach einem verhalten positiven Bericht über die globale Sozialentwicklung im vergangenen Jahr zeichnet das diesjährige UNDP-Papier ein weitaus negativeres Bild. Der Grund dafür sei, dass man sich im vergangenen Jahr auf die positiven Entwicklungen konzentriert habe, sagte der Verantwortliche für den Bericht, Khalid Malik. In diesem Jahr habe man wieder stärker auf die gefährdeten Bevölkerungsteile geschaut. Dabei sei deutlich geworden, dass neben Naturkatastrophen vor allem die in den Industrienationen verursachte Finanzkrise das Leben von Millionen Menschen gefährde – etwa durch Teuerungen von Nahrungsmitteln und Spekulationsgeschäften in diesem Wirtschaftsbereich.

Der diesjährige "Human Development Report" zeigt aber auch die Folgen der aggressiven Interventions- und Aufrüstungspolitik der USA und der übrigen NATO-Staaten. Syrien und Libyen – vor wenigen Jahren noch Staaten mit weit entwickelten Sozialsystemen – sind auf das Niveau von
Entwicklungsstaaten zurückgebombt worden. In Afghanistan ist es um die im diesjährigen Report erstmals gemessenen Entwicklungschancen für Frauen am schlechtesten bestimmt. Die Ergebnisse des Entwicklungsprogramms der UNO führen damit einmal mehr die These ad absurdum, dass die US-Intervention in Afghanistan die Menschenrechte verbessert habe.

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