Fliegt die Spionagedrohne Euro Hawk doch bald für die Bundeswehr?

US-Konzern meldet "viele Fortschritte" in Gesprächen mit der Bundesregierung. Am Dienstag hob der Euro Hawk zum längsten Flug einer Drohne im europäischen Luftraum ab

Ursprünglich hatte der Verteidigungsminister angekündigt, auf die geplante Beschaffung von weiteren vier Euro Hawk-Drohnen zu verzichten. Auch ein von Northrop Grumman bereits gelieferter Prototyp, der vom bayerischen Manching bis Ende September zahlreiche Testflüge absolviert, soll nicht weiter genutzt werden.

Hintergrund war das Gutachten der ebenfalls am Euro Hawk beteiligten Firma IABG, die Mehrkosten von einer halben Milliarde Euro prognostizierte, damit der Euro Hawk eine Zulassung erhält und im allgemeinen Luftraum verkehren darf ( Wir.Drohnen.Deutschland).

Laut einem Sprecher des US-Rüstungskonzerns gebe es aber "viele Fortschritte" in Gesprächen mit der Bundesregierung über den Kauf der Spionagedrohne Euro Hawk. Dabei geht es um den Nachweis der Lufttüchtigkeit. Die Firma habe 4.000 Dokumente zur Verfügung gestellt, um deutsche Luftfahrtbehörden mit entsprechenden Nachweisen zu versorgen. "Wir arbeiten mit den Deutschen weiter daran, eine Lösung zu finden", wird Tom Vice, der Vorsitzende der Luftfahrtsparte von Northrop Grumman zitiert.

Die Meldung stammt vom Informationsdienst UAS Vision, der gewöhnlich auf andere Medien verlinkt. Die heutige Nachricht bringt UAS Vision aber exklusiv, was auf eine Initiative von Northrop Grumman zurückgehen könnte.

Zuletzt hob der Euro Hawk am Dienstag zu einem Testflug ab. Mit 25 Stunden habe es sich dabei um den längsten Flug einer Drohne über dem europäischen Luftraum gehandelt. Für Vice ist dies ein Beweis für die Erfüllung des Auftrags, das Programm sei erfolgreich.

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Vergrößern EuroHawk in Manching. Bild: Rekke. Lizenz: GNU/Gemeinfrei

Das Debakel um den Euro Hawk war Thema eines Untersuchungsausschusses im Bundestag, der bald seinen Abschlussbericht vorlegen wird. Heraus kam, dass der Verteidigungsminister entgegen seinen Behauptungen früh über die Zulassungsprobleme des Euro Hawk informiert war. Das Gesamtprogramm wurde jedoch weitergeführt, um das eigens für die Drohne entwickelte Spionagemodul ISIS zu testen. Das Gerät wird von EADS gebaut, die Firma hat hierfür mit Northrop Grumman eine gemeinsame GmbH gegründet.

Nach der vermeintlichen "Reißleine" für den Euro Hawk protestierten die Firmen und versprachen, die erforderliche Zulassung auch für weniger Geld zu bewerkstelligen. Janis Pamiljans, der Vizepräsident von Northrop Grumman, behauptet, dass die Mehrkosten erst wegen geänderter Anforderungen des deutschen Verteidigungsministeriums entstanden seien.

Ein Austausch von Erfahrungen " aus operationeller, technischer und logistischer Sicht" erfolgte bis Mai in einer "GLOBAL/EURO HAWK User Group" (GEHUG), die von deutschen und amerikanischen Militärs gegründet worden war. Deutschland beteiligt sich mit 33% an den Kosten zur Beschaffung von nunmehr vier Global Hawk für die NATO, die im sizilianischen Sigonella stationiert werden. Der Euro Hawk ist ein Derivat der Global Hawk, in der GEHUG sollten insbesondere die Themen "Flugrouten und Luftraumnutzung" gemeinsam bearbeitet werden. Auch "Industrievertreter und Spezialisten" nahmen teil.

Nun hat Northrop Grumman nach eigenen Angaben Ingenieure nach Manching geschickt, um die Serienbeschaffung des Euro Hawk zu retten. Luftfahrtbehörden und Bundeswehr erhalten zuvor verweigerte Einblicke in Testverfahren.

Pamiljans warnt davor, das ISIS in eine andere Plattform einzubauen, da hierfür weitere Kosten entstünden. Das Statement ist an den deutschen Partner gerichtet: EADS hatte das Scheitern des Euro Hawk schon letztes Jahr erkannt und der Bundeswehr vorgeschlagen, das ISIS mit einer Drohne zu befördern, die der Konzern seit Jahren entwickeln will. Das Verhältnis der Firmen EADS und Northrop Grumman gilt hinter den Kulissen längst als zerrüttet.

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