Florida verbietet Klimawandel

Die Umweltbehörde des Bundeslandes gab Sprachregelungen aus, die den Mitarbeitern Begriffe wie "Klimawandel" und "globale Erwärmung" verbieten

Während auf dem Polarmeer der jährliche Höhepunkt der Vereisung derzeit so gering wie selten zuvor ausfällt und Wissenschaftler sinnieren, wie genau sie das Antropozän, das Zeitalter der Menschen, datieren sollen, hat man im US-Bundesstaat Florida offensichtlich ganz andere Sorgen.

Dort ließ der von einem republikanische Gouverneur eingesetzte Leiter der Umweltbehörde (Department of Environmental Protetction, DEP) seinen Mitarbeitern verbieten, von Klimawandel, globaler Erwärmung oder Nachhaltigkeit zu sprechen. Das geht aus den Aussagen ehemaliger DEP-Angehöriger hervor, die von der US-amerikanische Nachrichtenagentur UPI zitiert werden. Die Weisungen seien 2011 überall im Bundesstaat mündlich gegeben worden. Die Behörde dementierte auf Nachfrage von Journalisten. Auch das Büro des Gouverneurs will nichts von dem Verbot gewusst haben.

Offensichtlich befinden sich die Republikaner Floridas in einer Art surrealen, antiwissenschaftlichen Wettbewerb mit ihren Parteikollegen in North Carolina. Dort war 2012 ein Gesetz verabschiedet worden, das allen untergeordneten Behörden verbot, unabhängige Aussagen über die Ausmaße des Meeresspiegelanstiegs zu treffen und der allein zuständigen staatlichen Behörde vorschreibt, dass der Meeresspiegel allein als lineare Fortschreibung der Entwicklung des 20. Jahrhunderts definiert werden darf.

Das heißt, in North Carolina ist die Küste seit rund vier Jahren bestens geschützt, weil ein beschleunigter Meeresspiegelanstieg gesetzlich verboten wurde. Der Bundesstaat hatte seinerzeit übrigens noch eine demokratische Gouverneurin, die Einspruch gegen das Gesetz hätte einlegen können, aber darauf verzichtete - vielleicht angesichts des zu jener Zeit bereits anlaufenden Wahlkampfes.

Im globalen Mittel ist der Meeresspiegel übrigens im letzten Jahrhundert um rund 19 Zentimeter angestiegen, doch inzwischen beträgt die Rate bereits drei Zentimeter pro Jahrzehnt (30 Zentimeter pro Jahrhundert). Für das Ende des Jahrhunderts gehen viele Wissenschaftler von einem Anstieg von bis zu einem Meter aus, doch in North Carolina sind ihre Ansichten sozusagen illegal. Zumindest für lokale Behörden, die sich um den Küstenschutz kümmern.

Das ist um so absurder, als North Carolina in einer Region liegt, in der der Meeresspiegelanstieg aufgrund verschiedener Faktoren überdurchschnittlich ausfallen wird. Ein Grund könnten Veränderungen in der Massenverteilung in den Ozeanen sein, ein anderer Veränderungen der Rotationsgeometrie der Erde. Beides wäre die Folge eines etwaigen größeren Verlustes von Gletschern in der Antarktis.

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