Frachtflugzeuge mit einer Bombe an Bord notfalls auch abschießen?

Während Ermittler weitere Indizien dafür vorbringen, dass die Paketbomben in den Flugzeugen hätten hochgehen sollen, spekulieren deutsche Politiker über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

Sicherheitsexperten aus den USA sind nach Jemen geflogen, um die Gepäck-Kontrolleure am Flughafen von Sanaa besser auszubilden. Das klingt nach einer vernünftigen Maßnahme.

Die Verantwortlichkeit für Frachtsendungen liege bei dem Land, wo das Gepächstück aufgegeben werde, das sei so in der Chicago Convention nachzulesen, darauf macht Qatar Airways aufmerksam, deren Maschine von Sanaa eins der Bombenpakete nach Doha und von dort nach Dubai mitgenommen hatte. Und damit für nachträglichen Schauer in der Öffentlichkeit sorgte: Das Gepäckstück, ein HP-Drucker mit 300 oder 400 Gramm PETN in der Kartusche, war angeblich zusammen mit nichtsahnenden Passagieren an Bord. Laut Informationen des Stern starten auch vom internationalen Flughafen in Dubai keine Frachtflüge von Qatar Airways.

Wie nun herausgefunden wurde, entsprächen die Adressen der beiden in Sanaa aufgegebenen Bombenpakete keiner Anschrift, die in Chicago existiert. Die jüdischen Institutionen bwz. Synagogen gebe es nicht mehr unter der Chicagoer Adresse auf den Paketen. Statt deren Namen habe man das Adressfeld mit historischen Personen aus den Kreuzzügen und der spanischen Inquisition beschriftet. Die Ermittler werten dies als starkes Indiz dafür, dass geplant war, die Bomben im Flugzeug hochgehen zu lassen. Darüber hinaus geht man davon aus, dass Terroristen bereits im September eine Art Probelauf mit Paketen voller Bücher, CDs und anderen Haushaltswaren, die nach Chicago versendet wurden, versucht hatten, um an Informationen über das "Timing" der Luftfracht zu gelangen und damit zu erfahren, zu welchem Zeitpunkt man die Bomben am besten zünden solle.

Wie man Gepäckstücke, denen PETN beigegeben ist, sicher aufspüren kann, ob am Ausgangsflughafen oder bei einer Kontrolle an der Zwischenlandungsstation, ist noch unklar. Die Frage beschäftigt mittlerweile auch deutsche Politiker, da eins der PETN-Gepäckstücke unentdeckt in Köln/Bonn umgeladen wurde. Anschläge über die Luftfracht seien "ein neuer Vorgang", so Innenminister Thomas de Maizière (CDU), solches Gepäck sei "bisher relativ wenig kontrolliert". Nun müsse man schauen, "ob wir auch beim Umschlagplatz stärkere Kontrollen brauchen", wird Wolfgang Bosbach (CDU) zitiert: "Alle möglichen Sicherheitslücken müssen identifiziert werden."

Darin sind sich alle konservativen Politiker, die erneut an der Spitze der schnellsten markanten Reaktionen stehen, einig. Hans-Peter Uhl (CSU), innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, fordert den flächendeckenden Einsatz "modernerer Frachtscanner", da sie "Sprengstoff in Paketen verlässlich aufspüren". Der Hersteller, die mit solchen Fähigkeiten werben, wird dies freuen, aber: Ob dem so ist?

Das Gemisch aus Hilflosigkeit und einer diffusen Gefahrenlage, die der vom Schrecken stimulierten Phantasie keine Grenzen auferlegt, reizt wie immer auch zu spektakulären Vorschlägen, von denen man nicht weiß, ob sie das Sicherheitsprofil verbessern oder das Persönlichkeitsprofil des Politikers weiter schärfen sollen. So machte sich der Niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) mit einer Forderung à la Schäuble bemerkbar, wonach ein neues Luftsicherheitsgesetz her müsse, das "den Einsatz der Bundeswehr im Inland bei terroristischen Angriffen ermöglicht". Spekuliert wird dabei gleich mit dem größtmöglichen Ernst der Lage:

"Wir brauchen rasch Klarheit, dass die Bundeswehr Frachtflugzeuge mit einer Bombe an Bord notfalls auch abschießen darf, wenn die Maschine von Terroristen als Waffe missbraucht wird."

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