Frankreich: Zu wenig AKW

Aufgrund außerplanmäßiger Revisionen fährt Frankreichs AKW-Flotte derzeit mit verminderter Kraft. Im Falle von Kälteeinbrüchen könnte es daher eng werden

Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE (Réseau de Transport d'Electricité) warnt vor Versorgungsengpässen im kommenden Winter. Das berichtet die Plattform Energy & Management. Sollte es ein normaler Winter werden, sei nicht mit Problemen zu rechnen.

Anders sehe es allerdings aus, wenn es stärkere Kälteeinbrüche gebe. Da in Frankreich sehr viele Menschen elektrisch Heizen könnte es dann vor allem zu den Verbrauchsspitzenzeiten zwischen 18 und 20 Uhr zu Engpässen kommen. Jedes zusätzliche Minusgrad bedeute einen Bedarf von 2400 Megawatt (MW), was in etwa der Leistung zweier Großkraftwerke entspricht.

Dem potenziell hohem winterlichen Bedarf steht ein momentaner Tiefstand der Atomstromproduktion gegenüber, schreibt das Internetmagazin. Derzeit stünden 18 der 58 französischen Reaktoren still. Im Dezember wären laut AKW-Betreiber EdF 13 und im Januar neun Reaktoren nicht am Netz. Dadurch würden in dieser Zeit 11.300 bzw. knapp 8.000 MW fehlen.

Anfang des Monats berichtete das Power Magazine sogar von 20 stillstehenden Reaktoren. Die Atomaufsicht habe deren Überprüfung auf Mängel im verwendeten Stahl der Druckbehälter und Wärmetauscher verlangt, nachdem gefälschte Baudokumente und entsprechende Mängel in einigen Anlagen gefunden worden waren.

Der französische AKW-Bauer AREVA führt derzeit in einem Stahlwerk Unterschungen durch, hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg im Oktober berichtet, 9.000 Produktionsdokumente die zum Teil bis 1943 zurück reichen und unter anderem 6.000 für AKW bestimmte Komponenten betreffen.

Derweil ist RTE dennoch zuversichtlich, dass im Winter das Netz nicht zusammenbrechen wird. Nachdem die Leitungen nach Spanien ausgebaut wurden, habe man nun Importkapazitäten von 12.200 MW. Außerdem wurde eine App entwickelt mit der Verbraucher im Vorfeld erwarteter Engpässe zu sparsameren Verbrauch angehalten werden sollen. Ein zusätzliches Problem stellen allerdings die Wasserkraftwerke dar, die unter einem sommerlichen Niederschlagsdefizit leiden.

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