Frankreich baut ein zweites EPR-Atomkraftwerk

Der neue Druckwasserreaktor soll von Areva in der Normandie gebaut werden und stößt auf Ablehnung von Umweltschützern, Siemens will aus dem Joint Venture mit Areva aussteigen.

Den Beschluss, ein neues Atomkraftwerk zu bauen, gab Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Donnerstagabend bekannt. Die Atom-Renaissance soll mit dem zweiten "Europäische Druckwasserreaktor" (EPR) in Frankreich definitiv eingeleitet werden. Der Bau des zweiten EPR soll ab 2012 in Penly in der Normandie beginnen und der Meiler soll 2017 ans Netz gehen, erklärte Sarkozy. Den Zuschlag erhielt der staatliche Stromversorger EDF, der Konkurrent GdF Suez soll an dem Projekt beteiligt werden. Der neue Reaktor sei wichtig für die unabhängige und sichere Energieversorgung, erklärten die Konzerne.

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Ob der Zeitplan einzuhalten ist, darf bezweifelt werden. Beim Bau des ersten Meiler dieses Typs in Finnland kommt es ständig zu Verzögerungen und auch die Baukosten steigen immer weiter an. Statt wie geplant 2009 wird Olkiluoto 3 voraussichtlicher erst 2012 den Betrieb aufnehmen. In Flamanville am Ärmelkanal wurde 2007 trotz erheblicher Proteste mit dem Bau des ersten EPR in Frankreich begonnen und auch hier sieht es nicht viel besser als in Finnland aus.

Sarkozy zwinge Europa die Atomkraft auf, werfen Atomkraftgegner und Umweltschützer der französischen Regierung vor. Greenpeace sieht im Ausbau der Atomenergie "ein Zeichen gegen erneuerbare Energien und das Stromsparen". Das Atomstromland Frankreich habe den zusätzlichen Atomstrom gar nicht nötig und werde diesen deswegen exportieren. Die Kritik an der Atomenergie hat nach zahlreichen Pannen im vergangenen Jahr auch in Frankreich deutlich zugenommen.

Das Netzwerk Sortir du nucléaire (Atomausstieg) wirft dem Präsidenten ökologische und wirtschaftliche Fehler vor: Die gleichen Investitionen in erneuerbare Energien würden 15 Mal mehr Arbeitsplätze schaffen. Und der neue Reaktor werde Frankreich daran hindern, seine Verpflichtung im Rahmen des EU-Klimapaktes zu erfüllen, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. Die Umweltschützer werfen Sarkozy zudem Wortbruch vor. Auf einer nationalen Umweltkonferenz vor anderthalb Jahren hatte der Präsident erklärt, er wolle keine neuen Atomkraftwerke.

Einen derben Rückschlag hatte die Atompolitik erhalten, als Siemens kürzlich ankündigte, aus dem Joint-Venture mit den Franzosen auszusteigen und seinen Anteil von 34 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen Areva NP zu verkaufen. Das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen wurde 2001 gegründet und gehört mit 17.300 Mitarbeitern zu den weltweit führenden Herstellern von Atomkraftwerken und baut den Olkiluoto 3.

In München ist man offensichtlich, auch angesichts der vielen Pannen beim Neubau des EPR, nicht davon überzeugt, dass es zu einer lukrativen Renaissance der Atomkraft kommt. Areva versucht mit Unterstützung Sarkozys, den EPR weltweit zu verkaufen. Sogar Libyen wird Atomkraft angeboten. Ein Teil der Hoffnungen hat die globale Wirtschaftskrise schon zerschlagen. Südafrika hat sein Atomkraftwerksprogramm Ende vergangenen Jahres abgesagt. Areva wollte dort mindestens zwei Kraftwerke bauen.

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