Frankreich will Reaktoren nach Jordanien verkaufen

Die französische Regierung und der Konzern Areva unterstützen König Abdullah bei der Verwirklichung seiner "nuklearen Ambitionen"

Der Export von Atomanlagen ist für Frankreichs Präsident Sarkozy sehr wichtig, dabei spielen vor allem traditionell gute Kontakte zu arabischen Länder eine große Rolle. Nachdem das "Jahrhundertgeschäft" mit den Vereinigten Emiraten floppte - dabei ging es um Verträge im Wert von 20 Milliarden Dollar zum Bau von Kernkraftwerken (siehe Vereinigte Arabische Emirate steigen groß in die Atomenergie ein) - , reagierte der Präsidentpalast gereizt; Sprecher der Regierungspartei trösteten sich mit anderen lukrativen Geschäftsmöglichkeiten im arabischen Raum und mahnten, dass man die nächsten Gelegenheiten "nicht mehr verpassen" dürfe.

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Wie es aussieht, hat Premierminister Fillon am Sonntag in Jordanien ein neues Exportgeschäft für Nuklear-Anlagen des Konzerns Areva angebahnt, das den u.a. wegen Sicherheitsmängel umstrittenen Druckwasserreaktor EPR im Dauerangebot hat. Anläßlich seines Tages-Besuches in Amman haben der französische Konzern und die jordanische Regierung einen Vertrag zum Uranerzabbau abgeschlossen. Darüberhinaus wurde eine "partnerschaftliche Vereinbarung" zur Ausbildung von Nuklearingenieuren und -technikern erzielt - und ein Angebot von Areva zum Bau zweier Atomkraftwerks am Golf von Akaba am Roten Meer besprochen. Das Geschäft soll ein Volumen von mehreren Milliarden Euros haben, verlautbarte das Büro des Premierministers.

In Israel wird Fillion mit den Worten zitiert, dass Frankreich Jordanien bei der "Realisierung seiner nuklearen Ambitionen" helfe. Sicherheitsbedenken des Nachbarlandes, das unmittelbar an den auserkorenen Standort eines jordanischen Kernkraftwerks am Golf von Aqaba angrenzt, räumte der jordanische König Abdullah gegenüber der israelischen Zeitung Ha'aretz schon im letzten Jahr aus. Damals hatte das Land die Zusammenarbeit zur Nutzung ziviler Nuklearenergie mit Russland vereinbart:

"Die Reaktoren, die wir uns anschauen, gehören zur Generation III-plus, die mit Abstand die sicherste und fähigste Technologie haben. Sie sind erdbebensicher, sicher gegenüber Naturkatastrophen und vor terroristischen Angriffen. Die Technologie, die wir uns anschauen, ist eine, wenn nicht zwei Generationen weiter als das, was Sie haben."

Ob Jordanien sich nun mit französischer Hilfe auf einen schnellen Weg zur Nuklearmacht befindet, ist freilich so ungewiss, wie die Sicherheitsbeteuerungen des jordanischen Königs. Schon im Juli 2008 hieß es, dass "Sarkozy als Handlungsreisender in Sachen Atomkraft in Jordanien war, wo französische Konzerne Uranerz abbauen und einen Reaktor errichten wollen". Damals unterschrieben auch die britische und die kanadische Regierung Vorverträge für eine nukleare Zusammenarbeit mit Amman.

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