Französische Druckwasserreaktoren: "monumentaler Flop"

Den Zuschlag für Verträge zum Bau der ersten Kernkraftwerke auf arabischem Boden bekommt nicht das französische Konsortium, das in den Vereinigten Emiraten eine neue EPR-Baustelle errichten wollte, sondern ein Konzernverbund aus Südkorea

Der französische Konzern-Verbund aus EDF, Areva, GDF Suez, Total, Vinci und Alstom war sich schon ziemlich sicher; Anfang September glaubte man sich laut Insider-Infos eines prominenten Journalisten ganz nahe am Riesengeschäft: Verträge im Gesamtvolumen von etwa 40 Milliarden Dollar für den Bau von vier Atomkraftwerken in den Vereinigten Emiraten.

Am Weihnachts-Wochenende kam nun die schlechte Nachricht (siehe: Vereinte Arabische Emirate steigen groß in die Atomenergie ein): Der Zuschlag für die ersten Bauverträge im Gesamt-Wert von 20 Milliarden US-Dollar ging an ein südkoreanisches Konsortium geführt vom Konzern KEPCO - mit von der Partie sind außerdem Samsung, Hyundai, Doosan Heavy Industries, Westinghouse, Toshibapour. Laut Informationen einer Nachrichtenagentur soll das Angebot des südkoreanischen Konzernverbunds erheblich, um 16 Milliarden Dollar, billiger gewesen sein und die Sicherheitsbedenken kleiner. Zitiert wird der Chef der Energievereinigung der Emirate (ENEC), Mohamed al-Hammadi, mit den Worten, die von KEPCO angebotene Technik biete "Weltklasse in Punkto Sicherheit".

Der Druckwasserreaktor EPR macht dagegen seit längerem schon Schlagzeilen, die ihn weniger gut aussehen lassen; zum einen gibt es die Pannenserie auf den EPR-Baustelle Flamanville und in Finnland mit kostenreichen Verzögerungen (siehe Die französische "nukleare Renaissance" stottert mächtig), zum anderen die öffentlich gewordene Kritik der britischen und französischen Atomaufsichtsbehörden, die im Herbst bemängelten, dass das Sicherheitssystem der Druckwassereraktoren nicht sicher genug von anderen Funktionen abgekoppelt sei. Derartige Negativschlagzeilen des einstigen Schmuckstücks der französischen Atomindustrie werden nun in der öffentlichen Reaktion auf das gescheiterte Geschäft noch einmal besonders hervorgehoben.

Während Politiker trösten und beschwören - aus dem Elyseepalast wird angekündigt, dass man weiter an das Projekt EPR glaube und der Sprecher der Regierungspartei UMP verwies darauf, dass es noch andere genauso wichtige Geschäftsangebote geben werde (die man dann aber nicht mehr verpassen dürfe), nutzen die Atomkritiker die Gelegenheit. So spricht etwa die Organisation Sortir du Nucléaire, die für den Ausstieg aus der Atomkraft plädiert, unumwunden von einem "monumentalen Flop".

Die französische Regierung müsse nach dem Scheitern des EPR-Angebots endlich anerkennen, dass der Druckwassereraktor gescheitert sei, das Projekt müsse sofort gestoppt werden. Obwohl sich die politische Prominenz, besonders Präsident Sarkozy, auf eine unglaubliche Weise für das Projekt stark gemacht hätten, zeige sich der EPR als zu schlecht und zu teuer.

"Wieder einmal offenbart sich, dass das Diktum von Frankreich als nuklearen Weltmeister nur ein Mythos ist, der nicht viel mit der Realität zu tun habe."

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