Frauen dürfen ohne Aufpasser ins Internet

Ein saudi-arabischer Rechtsexperte kommentiert eine Fatwa aus dem Jahr 2010, die "schwachen Frauen" den Internetzugang nur mit einer männlichen Schutzperson erlaubte

"Die muslimische Frau wurde von Gott mit der Gabe des rechtschaffenen Denkens gesegnet, mit dessen Hilfe sie zwischen dem unterscheiden kann, was gut und schlecht für sie ist", sagt nun Scheich Mohamed al-Aly, Professor für islamisches Recht an der "most prominent" Imam Mohamed Ibn Saud Islamic University, um daraus zu folgern , dass sich Frauen sehr wohl ohne männlichen Aufpasser im Internet umschauen können. Eine Fatwa vor zwei Jahren, von einem Scheich namens Saad al-Ghamd, hatte den Frauen, weil mit einer "schwachen Psyche, anfällig für Sex und Gefühle" ausgestattet, auferlegt, dass sie sich nur mit einem männlichen Aufpasser ins Internet einloggen dürfen. Begründung: Das Internet sei voll mit versucherischen Dingen, denen schwache Frauen nur selten ausweichen könnten.

Berichtet wird von der Revision dieser Fatwa aus dem Jahr 2010, die seinerzeit für größere Aufregung in sozialen Netzwerken gesorgt haben soll, in einem Artikel der ägyptischen Zeitung al-Ahram. Anscheinend findet die Neujustierung des islamischen Rechtsexperten al-Aly - "Das Gesetz für die Internetnutzung für Männer und Frauen soll gleich sein, auch wenn im Internet nützliche und schädliche Seiten zu finden sind" - größeres Interesse. Denn der Artikel führte dort heute für einige Zeit die Liste der meistgelesenen Artikel an.

Woher das größere Interesse für eine eigentliche selbstverständliche Korrektur kommt, ist nicht ganz klar. Weil die eigentlich selbstverständliche Berichtigung im Jahr 2012, wo Frauen in Asien erfolgreiche Internetunternehmungen mit mehrstelligen Millionengewinnen leiten, erneut vorführt, wie bizarr weltfremd Frauen in Saudi-Arabien behandelt werden und jeder einigermaßen vernünftige Kommentar schon wie eine aufklärerische Revolution erscheint?

Oder weil man in Ägypten angesichts jüngster Ereignisse, wo muslimische Männer in den vergangenen Tagen bewiesen, wie anfällig sie für schädliche Gefühle sind, ausgelöst von Internetpostings mit softpornografischen Hintergrund, eine derartige Unterscheidung zwischen Männern und Frauen, wie sie die frühere Fatwa getroffen hat, nicht fassen kann? Vermutlich brauchen Scheichs Aufpasser, sobald sie anfangen, aus Internetinhalten Schlüsse zu ziehen (siehe Blame The Sheiks).

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