Freiheit + Öko = Jamaika

Göring-Eckhardt lernt von Trump: Persönliche Anekdoten und Argumente

"Wir wollen ein modernes Land. Ein Land, in dem es heißt: Erde first, Weltoffenheit first und Gerechtigkeit first." Gerade, wenn man eher als Skeptiker auf den Auftritt von Kathrin Göring-Eckhardt gewartet hatte, wurde man überrascht. Der Auftritt der Grünen-Spitzenkandidatin am Samstag beim Wahl-Parteitag der GRÜNEN in Berlin war energiegeladen, kämpferisch, dabei bodenständig. Ohne Wehleidigkeit und dafür von Angriffslust geprägt: Gegen die CDU/CSU, und ihr Verharren "in der Angstschleife vor den Rechten."

Die Grünen fordern ein Einwanderungsgesetz, wie es "jeder Wirtschaftsverband, jeder Handwerksverband, jede Kommune" fordere. Oder doch nicht jeder? "Wir sind die letzten Mohikanerinnen und Mohikaner der Willkommenskultur... Manchmal scheint es mir, als seien wir die letzten Mohikanerinnen und Mohikaner des freiheitlichen Rechtsstaats."

Entweder "letzter Mohikaner" - die übrigens in Coopers Roman dann ganz verschwinden -, oder Stimme eines breiten Pragmatismus der Mitte und des gesunden Menschenverstands, den nur ein paar konservative Betonköpfe in der Großen noch verhindern.

Es waren solche kleinen Unschärfen und kalkulierte Widersprüche die Göring-Eckhardt Rede prägten. Konzentriert auf die Zentral-Themen Klima und Bürgerrechte, im Grün-Sprech "Freiheit plus Öko", im Stil amerikanisch - mit Popmusik eingeführt, einer bunten Schar Neumitglieder als Bildhintergrund, mit Mikroheadset statt Mikro am Mund, vor einem transparenten Rednerpult, das Manuskript von unsichtbaren Textgebern ablesend, quasi frei sprechend und jeden Satz mit feingetunten Hand-Gesten unterstreichend und immer wieder ein Argument durch persönliche Anekdoten beglaubigend - intonierte Göring-Eckhardt die Varianten ihres Leitmotivs "In welchem Land wollen wir eigentlich leben?": "Ich höre ja, das mit den Klimaschutz sei im Wahlkampf nicht relevant ... Dass entlang von Rhein und Elbe die Unwettergefahr steigt und Köln und Dresden immer wieder überflutet werden, das ist relevant. Oder dass selbst der deutsche Hopfen krank wird - das Bier ist sogar in Gefahr!"

Die Grünen fordern auch höhere Steuern für Konzerne: "Es geht nicht dass das Café um die Ecke mehr Steuern zahlt, als 'Starbucks'. Es herrscht kein fairer Wettbewerb, wenn Amazon weniger Steuern bezahlt, als meine Buchhändlerin. Schluss mit Steuerflucht!"

Trump-Bashing war da noch das Billigste: "Die Mauer von Donald Trump wird uns nicht hindern. Bewegung, Freiheit und Umwelt ist unser Kern, unsere DNA" und natürlich zum Schluss noch "Climate first!" als KGE-Selfie-Twitter-Nachricht an TheRealDonaldTrump.

Nicht ohne einen Schuss Autosuggestion und einen kräftigen Schluck aus der Pulle der Selbstgerechtigkeit machte Göring-Eckhardt ihre Optionen klar: "Mich interessieren keine Umfragen, sondern, dass wir am 24.September auf Platz drei stehen, und die große Koalition ablösen." Das ist die doppelte Unschärfe des Grünen Wahlkampfs: "Alles auf Grün!" klingt avantgardistisch, doch was ganz praktisch gesehen am Ende herauskommen dürfte ist Schwarz-Grün oder Jamaika.

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