Frühjahrsputz bei Jahrbuch

Neben der Spur

Der Kramladen Facebook holt ein paar neue Spielzeuge ins Sortiment

Es ist Frühling. Wer jetzt noch "ich mache dann da mal weiter, wo ich vergangenes Jahr schon war" vor sich hin brabbelt, der hat eigentlich schon verloren. Denkt sich vermutlich auch Facebook, das ja auch nichts mehr mit einem Jahrbuch zu tun hat. Mehr mit einem Kramladen voller Möglichkeiten, vor allem solchen, die man sich von der Konkurrenz abschaut.

"Kann ich jetzt auch", ist der letzte Frühjahrsschrei bei den Zuckerbergs, könnte man meinen.

Als da wären jetzt zum Bespiel Facebook Stories, mit dem man ein wenig gegen Snapchat anklicken will. Das sind kleine Filmchen, die man den Tag über von sich und anderen macht, die dann auch mit diversen falschen Bärten und anderem Schnickschnack witziger gemacht werden sollen, um sie dann mit seinen Freunden für einen Tag lang zu teilen. So etwas wie eine Turbotimeline.

Oder die Group Chatbots, die jetzt im Messenger kommen sollen. Wer will, kann sich dann auch Nachrichten und ähnlichen Firlefanz in die Gruppenchats integrieren lassen. Für alle, die sich erst wohl fühlen, wenn sie neben diversen "Olé Olé"-Schlachtrufen auch noch die aktuellen Fußballergebnisse mitgeteilt bekommen.

Und natürlich soll es auch bald eine Möglichkeit geben, dem guten alten Kickstarter Konkurrenz zu machen und privat für ein Projekt zu sammeln. Geld, Essen oder Kleidung.

Um Geld geht es Facebook dabei meistens, wenn auch nicht vordergründig, denn – so der Verdacht – zwischen zwei Stories, die eh mit Musik und Video nur so strotzen, lassen sich wunderschön Werbeclips von Facebook platzieren, die User vielleicht so in der Timeline erst gar nicht angeschaut hätten.

Ja, es steht zu befürchten, dass Facebook mit diesen neuen Spielzeugen zuerst auch einmal Geld verdienen will. Vielleicht nicht "in the face", aber doch auf Umwegen. Wie es halt nun einmal so ist mit den Geschäftsmodellen im digitalen Zeitalter. Das läuft alles zwischen zwei Wimpernschlägen und ohne groß darauf hinzuweisen. Aber wehe ein Kunde bekommt das auf die Nase gedrückt, dann ist es bald wieder Schluss mit lustigen Bots und Videos und Spenden.

Irgendwie war es auch eine schöne Zeit, als man noch Eintrittskarten für etwas gelöst hatte und man nicht mitten in einer Vorstellung merken musste, dass einem gerade Wolldecken erkauft werden sollten. Denn da stand deutlich vorneweg "Butterfahrt" drauf. Schöne, ehrliche "Butterfahrt". Nicht einfach: Hey, alles umsonst und im Frühjahr.

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