"Fuck the EU"

Diplomatische Kunst: Wie eine sprachliche Entgleisung von Obamas Europaberaterin Nuland zum "Tiefstand der russischen Spionagetaktik" umgewertet wird

"Al carajo la UE" ( El Economista)
"L’Unione Europea si fotta" ( Corriere della Sierra)
"Que l'UE aille se faire foutre" ( Huffington Post, Frankreich)

In Deutschland ist die Aufzeichnung der telefonischen Lagebesprechung zur Ukraine zwischen Vertretern der amerikanischen Außenpolitik mit ihrem "fucking" Höhepunkt bei Minute 3:02 Top-Meldung in Nachrichtenmagazinen und großen Zeitungen. Außerhalb des besten Freundes der ukrainischen Opposition werden die Reaktionen auf den enthüllten "Fauxpas von Victoria Nuland" eher nebensächlich behandelt. Allzu viele Medien in zentralen europäischen Ländern kümmern sich nicht darum.

Dafür erfährt man - siehe oben - , wie man sich als Gast in beliebten Reise-Ländern Anerkennung erwerben kann mit der jeweils landesüblichen Übersetzung des etwas knalligen und grobklotzigen F-Worts. Nach Stand der Dinge kann man mit dem Aussageinhalt von "Fuck the EU" mit einiger Zustimmung rechnen. Die Chancen auf ein freundlich zustimmendes Nicken stehen nicht schlecht.

Für Diplomaten ist die Verwendung von Fuck dagegen "äußerst undiplomatisch" und nicht angeraten. Wenn US-Drehbuchautoren mit barocker Überfülle an "Fucks" gegen puritanische Worthygiene im TV vorgehen (siehe The Wire), bereitet der Hinweis darauf, wie verbreitet das verbotene F-Wort ist, ein subversives Vergnügen. Das ist aber nicht so ohne weiteres auf das komplizierte semantische Feld der diplomatischen Beziehungen zu übertragen, wie sich herausstellt. Nuland musste sich entschuldigen.

Indes glückte der US-Außenamtssprecherin Jen Psaki der Beweis, dass es die Skriptschreiber der politischen Wirklichkeit lässig mit Drehbuchautoren aufnehmen können. Psaki hielt sich nicht lange mit dem Erörtertungen über das Niveau der amerikanischen Diplomatie auf, sondern setzte auf einen überraschenden Perspektivwechsel:

"Dies ist ein neuer Tiefstand der russischen Spionagetaktik", kommentierte Psaki die Veröffentlichung des Telefongesprächs zwischen Obamas Europa-Beraterin Viktoria Nuland und dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt. Fuck the Überwachung?

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