Führt Bildungsnot in die Krise?

Die Krisenländer Spanien und Italien kämpfen um den letzten Platz bei der "Piaac-Studie" und neben Frankreich sind auch Irland und Zypern ganz unten dabei

Die internationale "Piaac-Studie" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat zum Ziel, Kompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich zu untersuchen. Sie brachte fatale Ergebnisse für europäische Krisenländer, besonders für Italien und Spanien. Gemäß der "Pisa-Studie für Erwachsene" schneiden spanische Erwachsene bei Mathematik am schlechtesten unter den geprüften 24 OECD-Staaten ab. Sie sind zudem die zweitschlechtesten beim Leseverständnis, wie auch große spanische Medien mit Sorge zur Kenntnis nehmen. "Spanien am Ende der OECD", titelt zum Beispiel El País.

Beim Leseverständnis sind nur die Italiener noch schlechter. Sie liegen aber auch auf dem vorletzten Platz für Mathematik. Zählt man die erreichten Punkte zusammen, liegt Italien sogar noch knapp hinter Spanien auf dem letzten Platz. Doch die Empörung darüber hält sich offensichtlich dort in deutlichen Grenzen. Bis auf den Corriere de la Serra berichtet bisher keine große Zeitung.

Während sich die beiden Krisenstaaten um den letzten Platz streiten, liegt Frankreich nur knapp über den beiden Absturzkandidaten. Die Gallier stehen beim Leseverständnis direkt vor den beiden Krisennachbarn und in Mathematik auf dem vierten Rang von unten. Schlechter sind in Mathematik nur noch die US-Bürger, die aber beim Leseverständnis deutlich besser abschneiden. Zwar liegen sie auch dabei unter dem Durchschnitt, aber immer noch einen Platz vor deutschen Erwachsenen.

Leider hat die OECD nicht alle 34 Mitgliedsstaaten untersucht. Allerdings fällt auf, dass die untersuchten Krisenstaaten allesamt im unteren Bereich liegen. So befinden sich auch Iren und Zyprioten sowohl unter dem schlechteren EU-Durchschnitt und deutlich unter dem OECD-Durchschnitt. Man darf vermuten, dass sich ganz unten in diesem Ranking auch Griechen, Portugiesen und Slowenen tummeln, deren Fähigkeiten nicht untersucht wurden.

Da sich Parallelen zwischen Krisenentwicklung und Grundfertigkeiten geradezu aufdrängen, sollten sich Polen warm anziehen. In der Gesamtwertung kommt Polen vor Italien, Spanien und Frankreich nur auf den viertletzten Platz, sogar Zypern steht noch besser da. Da es sich um Erwachsene handelt, wird mit der Studie quasi das Bildungssystem der Vergangenheit bewertet. Doch man muss gerade für die Krisenländer befürchten, dass sich in der Zukunft daran kaum etwas bessern wird, denn in allen Ländern, in denen die Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäische Zentralbank (EZB) die Austeritätspolitik diktiert, wird gerade an Bildung wie in Spanien ganz besonders gespart.

Sieger ist eindeutig Japan. Dahinter kommt wie üblich als europäischer Bildungs-Spitzenreiter Finnland. Interessant ist aber auch, dass in der Spitzengruppe außer Finnland und den Niederlanden vor allem Länder sind, die nicht der EU angehören. Auffällig ist auch, dass vor allem ehemalige Länder aus dem Ostblock wie Tschechien, die Slowakei oder Estland, die nun EU-Mitglieder sind, in den beiden geprüften Bereichen sogar über dem OECD-Durchschnitt liegen. Noch?

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