Fukushima: Kernschmelze in Block 1

Tepco und die japanische Regierung versuchen sich weiter in Verbreitung von Optimismus

Tepco, der Betreiberkonzern der havarierten Fukushima-Reaktoren, ist auf Staatshilfe angewiesen. Das würde jedem Betreiber eines Atomkraftwerks weltweit so gehen, da keine Versicherung für die Schäden einer nuklearen Katastrophe aufkommen will und die Versicherungsprämien Atomenergie sowieso zu teuer werden ließen. Die japanische Regierung kann gar nicht anders, als dem Konzern letztlich unter die Arme zu greifen.

Noch aber sind die Bedingungen der Staatshilfe strittig, ohne die der Konzern Pleite gehen würde. Noch scheint man in der Regierung zu hoffen, Tepco nicht verstaatlichen zu müssen und die Hilfen vom Konzern zurückgezahlt zu bekommen. Das ist aber wohl nur eine Verschleierung dessen, was ansteht. Schließlich ist auch noch völlig unklar, wie hoch die Gesamtkosten sein werden. Einmalig ist, dass auf einen Schlag sechs Reaktoren mitsamt den Abklingbecken durch Sarkophage gesichert und irgendwann in ein sowieso nicht vorhandenes Endlager entsorgt werden müssen.

Die japanische Regierung, zu sehr im Filz mit der Atomlobby, duldet zudem weiterhin die permanenten Ausflüchte und Versprechungen von Tepco, obgleich klar ist, dass das Unternehmen weder weiß, wie es vorgehen soll, noch über die geeigneten Mittel verfügt und schon gar nicht wirklich Bescheid über den Zustand der Reaktoren weiß. Das wurde gerade wieder beim Block 1 klar, der am stärksten beschädigt wurde. Jetzt erst will man festgestellt haben, dass das Kühlwasser unerwartet niedrig gewesen sei.

Zwar wurde schon von Anfang an erklärt, dass in Block 1 - wie in anderen Blöcken - zumindest eine teilweise Kernschmelze eingetreten war, jetzt aber heißt es, dass ein großer Teil der Brennstäbe geschmolzen seien. Aber, so versichert Tepco, es sei trotzdem genug Kühlwasser vorhanden, um die geschmolzenen Brennstäbe ausreichend zu kühlen, was immer das bedeuten mag. Die Brennstäbe würden weit aus dem Kühlwasser herausragen, nach den Meldungen ganz, unerklärlich ist, warum die Temperatur im Druckkessel gleichwohl mit 100-120 Grad relativ gering sei, wenn denn die Zahlen stimmen. Erklärungen dafür gibt es bei Tepco nicht.

Klar ist jedoch nun, dass die bislang ausgeführten Versuche, täglich Tonnen an Wasser zur Kühlung in den Reaktor zu pumpen, gescheitert sind, weil es offenbar einfach wieder abfließt und damit die Umwelt kontaminiert, ohne die beabsichtigte Kühlwirkung zu bewirken. Auch im Block 1 ist die radioaktive Strahlung in den letzten Tagen stark angestiegen. Dass die Reaktoren in sechs bis neun Monaten in eine "stabile Situation" gebracht werden können, wie Tepco angekündigt hatte, ist jetzt nur noch unrealistischer geworden.

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