Fukushima: Kontaminiertes Wasser ins Meer geflossen

AKW-Betreiber waren offensichtlich nicht ausreichend auf den Durchzug eines Taifuns vorbereitet

Japans Hauptinsel wird nach dem Durchzug des Taifuns "Etau" von schweren Niederschlägen heimgesucht, berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur dpa. Im Osten der Hauptinsel Honschu richteten Überschwemmungen schwere Verwüstungen an. Inzwischen hat "Etau" die Insel überquert, zieht Richtung russischer Küste und schwächt sich dabei über dem kühleren Wasser des Japanischen Meeres ab.

Wie alle tropischen Wirbelstürme beziehen Taifune ihre Energie vor allem aus dem Wasserdampf, der beim Aufsteigen kondensiert und dabei Wärmeenergie freisetzt. Je wärmer die Meeresoberfläche ist, über die sie ziehen, desto mehr Wasserdampf steht ihnen zur Verfügung, wobei die Zunahme exponentiell ist.

Die englischsprachige Ausgabe der Zeitung Manichi Daily zeigt hier beeindruckende Aufnahmen von dem Ausmaß der Zerstörungen und von den Rettungsaktionen. An die 100.000 Menschen mussten evakuiert und zahlreiche Menschen von Haus- und Autodächern gerettet werden. Zwei Todesopfer werden bisher beklagt.

Ein weiterer Taifun namens "Kilo" ist derweil bereits im Anzug, wird aber nach den Berechnungen der japanischen Meteorologen nach Norden abdrehen und nur den Nordosten Hokkaidos kratzen, der nördlichsten der Hauptinseln des japanischen Archipels. "Kilo" hat seine Karriere übrigens als Hurrikan in den Gewässern südöstlich von Hawaii begonnen und entsprechend einen weiten Weg hinter sich. Wir hatten ihn letzte Woche in der Wochenschau kurz erwähnt. (Hurrikan und Taifun sind unterschiedliche Bezeichnungen für das gleiche atmosphärische Phänomen.)

Die oben verlinkten Bilder von den schweren Überschwemmungen stammen aus der Präfektur Ibaraki, die südlich an die Präfektur Fukushima angrenzt, wo der berüchtigte Havarist steht. Im März 2011 hatten dort ein schweres Erdbeben und der nachfolgende Tsunami drei Reaktoren so schwer beschädigt, dass es zu mehreren Kernschmelzen und der Freisetzung großer Mengen radioaktiven Materials kam. Letzteres haben Behörden und Betreiber offensichtlich bis heute nicht voll im Griff.

Die britische Zeitung Guardian berichtet, dass die Drainagepumpen auf dem Gelände nicht mit den Regenmassen fertig würden. Hunderte Tonnen kontaminierten Wassers seien in den Pazifik geflossen. Meteorologen warnen vor weiteren Regenfällen, die bis in die Morgenstunden des Freitags (Ortszeit) anhalten würden. In den am schwersten betroffenen Gebieten südlich von Fukushima sind seit Beginn der Woche bereits 600 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das entspricht einer Wasserhöhe von 60 Zentimetern. Angesichts dessen, dass Japan sehr gebirgig ist, kann man sich vorstellen, was für Wassermassen da schnell zusammenfließen können.

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