Fukushima: TEPCO kämpft weiter mit Leckagen

Erneut kontaminiertes Wasser ausgetreten. Unternehmen will dennoch in einem anderen AKW zwei Reaktoren wieder in Betrieb nehmen. Umweltschützer bereiten Aktionstag vor

Auf dem Gelände der drei havarierten japanischen Reaktoren der Anlage Fukushima Daiichi ist es erneut zu einem Leck aus einem der zahlreichen Kühlwassertanks gekommen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. 430 Liter kontaminierten Wassers seien ausgelaufen, da ein Arbeiter die Kapazität des Tanks falsch eingeschätzt habe (siehe auch Alles unter Kontrolle, Fukushima: Noch höhere Werte an leckenden Tanks gemessen, Weitere Lecks im AKW Fukushima, Fukushima und das ungelöste Wasserproblem oder AKW stilllegen).

Nachdem dieser erneute Austritt kontaminierten Kühlwassers bekannt wurde, hat ein Vertreter der japanischen Reaktoraufsichtsbehörde den Präsidenten der für Fukushima verantwortlichen Kraftwerksgesellschaft TEPCO, Naomi Hirose, öffentlich abgekanzelt, wie die New York Times schreibt. Für Japan, wo im Allgemeinen wie in den meisten ost- und südostasiatischen Ländern besonders viel Wert auf das Wahren des Gesichts gelegt wird, ist das ein bemerkenswerter Vorgang.

Aber für TEPCO kommt die Schelte auch ökonomisch ungelegen, da das Unternehmen gerade Anträge für das Wiederanfahren einiger Reaktoren im AKW Kashiwazaki-Kariwa gestellt hat. Die Anlage gilt mit sieben Reaktoren als größtes AKW der Welt, und TEPCO wollte wenigstens zwei Meiler wieder in Betrieb nehmen, um seine angeschlagene Bilanz ein bisschen aufzubessern.

Nun stellte allerdings der Sprecher der Aufsichtsbehörde in Frage, ob TEPCO noch zum Betrieb der Reaktoren befähigt ist. In Tokyo hatte es Ende September zwei Demonstrationen gegen die Pläne gegeben. Für den 13. Oktober ist ein weiterer großer Aktionstag geplant.

Derweil berichtet die Zeitung Asahi Shimbun von einem kleinen Windpark der besonderen Art, der vor der Küste der Präfektur Fukushima installiert werden soll. Eine schwimmende Windturbine mit zwei Megawatt Leistung wurde dort kürzlich in Betrieb genommen, zwei weitere sollen innerhalb der kommenden beiden Jahre folgen.

Das Ganze ist offensichtlich noch im Versuchsstadium. Mit vergleichbaren Anlagen gibt es bisher wenig Erfahrung, da alle kommerziell genutzten Offshore-Windparks bisher im flachen Wasser stehen. Daran gibt es vor Japans Küsten allerdings einen Mangel. Die vulkanischen Inseln ragen meist steil vom Ozeanboden auf, ein flaches Schelfmeer gibt es dort nicht.

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