G7: Betreutes Demonstrieren oder Demonstration der Staatsgewalt

Auf jeden Demonstranten im Werdenfelser Land kommen mindestens fünf Polizeikräfte

Wenn sich so viel mehr Polizeikräfte sammeln als Demonstranten, dann lassen sich manche Fragen nicht mehr wirklich vermeiden. War es das gewaltige Polizeiaufgebot, das die von staatlicher Seite befürchteten Krawallmacher von der Anreise Richtung Schloss Elmau abgehalten hat? Wurden alle schon weiträumig abgefangen oder war einfach das Wetter am Wochenende zu schön und das Gelände zu schwierig, um sich mit Uniformierten anzulegen?

Der Veranstaltungsort für den G7-Gipfel war mit dem Schlosshotel in Elmau mitten in einer Landschaft gewählt worden, die für idyllische Bilder im Stile schnulziger Heimatfilme sorgt, für Demonstrationen jedoch die denkbar schlechteste Plattform bietet. Enge Schluchten eignen sich nicht für den Auftritt einer großen Zahl von Demonstranten. Man sieht in den Bildern der Berichterstatter vor Ort immer nur wenige.

Zudem mag allein schon der gebirgige Charakter der Landschaft in 1000 Meter über Normalnull so manchen Großstadtbewohner von einem Besuch im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet abgehalten haben. Selbst vonseiten der aus nichtbayerischen Bundesländern angerückten Polizeikräfte war im Vorfeld wohl angefragt worden, ob in der exponierten Höhenlage am Fuße der Alpen nicht die Gefahr der Höhenkrankheit bestehe.

Wenn es um eindrucksvolle Demonstrationsbilder geht, eignen sich städtische Aufmarschgebiete deutlich besser und so nimmt es nicht wunder, dass sich an Fronleichnam in München mit 34.000 Teilnehmern viel mehr auf die Straße bringen ließen als die erwarteten 15.000. Da waren zudem An- und Abreise einfach schneller zu bewerkstelligen und im Anschluss war der nächste Biergarten auch nicht so weit.

Wie Don Alphonso in seinem Blog treffend beobachtet, sorgen Fremde als Touristen in und um Garmisch durchaus für Vollbeschäftigung, fallen aber im überschaubaren Werdenfelser Land auch gnadenlos auf. Wenn dann für die vom BKA handverlesenen Anlieger, welche als Volksstatisten zum Einsatz kamen, ein Festtagstrachtenzwang angeordnet wird, haben Fremde keine Chance, unerkannt zu bleiben.

Die im Vorfeld mit Blick auf Genua als besonders radikal und gewalttätig diskriminierten Italiener wären erst recht schnell zu erkennen gewesen. Offensichtlich hatte bislang nicht nur der Schwarze Block mit seinen in den Raum gestellten 3.000 bis 4.000 Gewaltbereiten hitzefrei, sondern auch die Mehrheit derer, welche die kostenträchtige Inszenierung um das Schlosshotel ablehnen.

Das Spektakel im Elmau sprengt selbst ohne die Erfassung der Gesamtkosten jede Kosten-Nutzen-Analyse, sie weckt auch mit den über die Medien transportierten Heile-Welt-Bildern völlig irrige Vorstellungen, dass die sieben Staatslenker plus Juncker letztlich irgend Etwas in dieser Welt verbessern könnten, damit es überall so niedlich sauber und sicher ausschaut wie um das Luxushotel bei Garmisch-Partenkirchen.

Manchem angereisten Demonstranten wurde die Postkartenidylle wohl schon am Sonntagnachmittag zu langweilig und das streng abgeschirmte Camp an der Loisach auch nicht mehr besonders prickelnd, so dass die Mehrzahl der Camper inzwischen den Rückweg angetreten hat und die kommenden Schlagzeilen wieder den Sieben und ihrer Entourage überlässt, die allein aus den USA mit einer Stärke von zehn Hundertschaften in Oberbayern eingefallen ist.

Für den Hotelier Dietmar Müller-Elmau dürfte sich der G7-Gipfel auf jeden Fall gelohnt haben. Neben dem Luxusschlosshotel in Oberbayern plant er inzwischen ja auch ein Luxushotel am Berliner Oranienplatz. Da dürfte das G7-Gipfel-Image beim angesprochenen bürgerlich biederen Kundenkreis durchaus für Interesse sorgen.

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