Gau per Grundwasser

Klage gegen Endlager vorerst gescheitert.

Klage gegen Endlager vorerst gescheitert. Die Stadt Salzgitter ist mit ihrer Verfassungsbeschwerde gegen das geplante Atommüll-Endlager Schacht Konrad gescheitert. Am Mittwoch teilte das Bundesverfassungsgericht der Stadt Salzgitter mit, dass es ihre Beschwerde gegen die Genehmigung des Endlagers ablehnt. Grund: die Stadt sei nicht unmittelbar betroffen. Erfolgreicher könnte die Klage eines Landwirts sein der Felder direkt am Schacht bewirtschaftet. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu dieser Klage steht noch aus. Der Sprecher der ablehnenden Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, Peter Dickel ist aber zuversichtlich und glaubt, dass der Bürgerwiderstand letztendlich erfolgreich sein wird: "Wir sind überzeugt, dass das Endlager hier in der Region nicht durchsetzbar ist." Die Transporte des strahlenden Mülls werden dazu noch für überregionale Unterstützung sorgen.

In Schacht Konrad, einem ehemaligen Eisenerzbergwerk sollen laut Planungen mehr als 300000 Kubikmeter Müll eingelagert werden. Zu 95% schwach- und mittelradioaktiver Müll "der das umliegende Gestein um nicht mehr als 3° erwärmt". Er stammt direkt aus AKWs oder als Produktionsabfall aus aus der Wiederaufbereitung. Die übrigen 5% sollen aus Forschungslabors und Krankenhäusern angeliefert werden. Bisher wurden 900 Millionen Euro für die Vorbereitung des Schachts investiert. Der eigentliche Umbau des Bergwerks zum Endlager soll noch einmal so viel kosten und die Stollen dann ab 2013 befüllt werden. Fraglich ist aber, ob die geologische Formation überhaupt geeignet ist. Das geplante Endlager befindet sich nämlich in einer Gesteinsschicht, die Grundwasser führt. Ähnlich wie Gorleben wurde es auch in erster Linie aus politischen Gründen ausgewählt, beide Standorte lagen zu Beginn der Sondierungen im Zonenrandgebiet zur DDR. Motto der Politik: "aus den Augen, aus dem Sinn", zudem waren Investitionen in den wirtschaftlich schwachen Regionen willkommen.

Dass falsche Standortwahl aber zu langfristig nicht mehr lösbaren Gefahren führt, zeigt das Beispiel des Atommüllendlagers Asse im benachbarten Wolfenbüttel. Dort wurden in 500 bis 700 Meter Tiefe 126000 Fässer mit ebenfalls schwach- und mittelradioaktivem Müll eingelagert. Die Einlagerung erfolgte ab 1967, jetzt ist das Bergwerk baufällig, seit fast 20 Jahren dringen täglich zwölf Kubikmeter Salzlauge in die Hohlräume. Langfristig werden so radioaktive Stoffe ins Grundwasser gelangen. Nach einem geologischen Gutachten des Instituts für Gebirgsmechanik der Universität Leipzig kann die Standsicherheit des Bergwerks nur noch bis zum Jahr 2014 garantiert werden. Der Betreiber, das GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, will die Grube mit Magnesiumchlorid fluten und damit vor dem Zusammenbruch bewahren. Nach Sicherheit für Millionen Jahre klingt das nicht...

Schacht Konrad Bild: BMWI

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