Gefährliche Botschaften aus dem Vatikan?

Nach einem Gerichtsgutachten soll Radio Vatikan Jahre lang Grenzwerte seiner Sendemasten überschritten und bei den Anrainern einen Anstieg der Krebserkrankungen verursacht haben

Die katholische Kirche hat viele Probleme. Jetzt wird dem Vatikan auch noch vorgeworfen, dass dessen Radiosender -"Die Stimme des Papstes" - nicht nur die kirchlichen Botschaften verbreitet, sondern womöglich Gläubige sowie Un- und Andersgläubige in der näheren Umgebung mit dem dadurch entstehenden Elektrosmog "belästigt", also gesundheitlich schädigt.

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Grund des Vorwurfs ist, dass ein Anstieg von Krebserkrankungen bei Kindern nördlich von Rom von 1990 bis 2003 in zwei Studien festgestellt und vermutet wurde, dass Radio Vatikan mit seinen 60 Sendeantennen in Cesano, 20 km nördlich von Rom, Jahre lang die Grenzwerte für elektromagnetische Emissionen überschritten hat. Der Papstsender, der weltweit in 37 Sprachen sendet, wollte die Menschen offenbar möglichst nachhaltig beeindrucken. Eine Untersuchung des Umweltministeriums hatte 2001 festgestellt, dass die Emissionen den Grenzwert um das Sechsfache überschritten haben. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, war für Kinder drei Mal so hoch als normal.

Den Zusammenhang versucht nun ein Gutachten zu belegen, das von einem römischen Gericht in Auftrag gegeben worden war und das der Krebsexperte Andrea Micheli nach fünfjährigen Untersuchungen nun fertig gestellt hat. Der Sender war wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden. Nach dem Gutachten gibt es eine "signifikante" Verbindung zwischen den Sendeantennen des Vatikanradios in Santa Maria di Galeria und den an Leukämie erkrankten und gestorbenen Kindern. Es gibt allerdings auch noch einen Sender der Marine in der Nähe, der die Belastung noch erhöht haben könnte. Das Gutachten attestiert allen, die in den letzten Jahren in einem Umkreis von 9 km um die Sendemasten gewohnt haben, ein erhöhtes Krebsrisiko.

Pater Federico Lombardi, Chef von Radio Vatikan, streitet jeden Zusammenhang zwischen den vom Sender ausgehenden Emissionen und einem erhöhten Krebsrisiko ab und beruft sich dabei nicht auf den Glauben, sondern auf die Wissenschaft: "Radio Vatikan hält sich an die italienischen und internationalen Grenzwerte für elektromagnetische Emissionen. Die Wissenschaft hat keineswegs festgestellt, dass Elektrosmog negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat."

Seit 2001 hat der Sender nach Protesten und Gerichtsklagen angeblich die italienischen Grenzwerte eingehalten. 2007 waren zwei Verantwortliche des Senders verurteilt worden, weil der Sender die Lebensqualität beeinträchtigt, vom Vorwurf der Gesundheitsgefährdung waren sie damals aber freigesprochen worden: "Fernsehprogramme können nicht einwandfrei empfangen werden, weil sie von Radio Vatikan überlagert werden. Oder: Aus dem Telefon ertönt Radio Vatikan statt der Stimme des Gesprächspartners."

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