Gefahren für die Welternährung

Wissenschaftler warnen vor verseuchten Lebensmitteln, Preise auf neuem historischen Höchststand

Auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science haben US-Wissenschaftler vor den Gefahren gewarnt, die der Klimawandel für die Nahrungsmittelversorgung bedeutet. Die Rede war allerdings weniger von drohenden Dürren und Starkniederschlägen, die im großen Stil Ernten vernichten bedrohen, wie zuletzt in Australien und China.

Es ging vielmehr um die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten und Lebensmittelverseuchungen, die von einem wärmeren Klima begünstigt werden. Für jedes Grad, das die Außentemperatur über sechs Grad Celsius steigt, nimmt auch die Zahl der Salmonellen-Vergiftungen um 12 Prozent zu, schreibt das US-amerikanische Internetmagazin Physorg.

Am schlimmsten sind sicherlich die ärmeren Länder gefährdet, aber die Probleme machen an ihren Grenzen keinen Halt. Die Gefahren seien nicht auf die Entwicklungsländer begrenzt, meint Ewen C. Todd von der Michigan State Universität. In den USA gebe es schon jetzt jährlich 38,4 Millionen Fälle von Lebensmittelvergiftungen. 72.000 Menschen würden jährlich aufgrund solcher Vergiftungen in Krankenhäuser eingeliefert und 1.600 von ihnen sterben und die häufigste Ursache dafür sind Salmonellen.

Auch von Fischvergiftungen und andere Krankheiten ist bekannt, dass sie in einem wärmeren Klima häufiger auftreten. Die Forschung stehe noch am Anfang, aber das was man bisher wisse, lasse nichts Gutes erwarten. Befürchtet wird unter anderem die Ausbreitung giftigen Pilzbefalls und von Cholera.

Derweil sieht alles danach aus, dass der jüngste Anstieg der Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt weiter gehen wird. Nach Informationen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO liegt der Preisindex für Nahrungsmittel inzwischen bereits über dem Rekordniveau, das kurz vor Ausbruch der atlantischen Finanzkrise erreicht wurde (siehe Grafik). Besonders drastisch war die Teuerung in den letzten Monaten bei Zucker, Pflanzenölen und Getreide. Fleisch war hingegen weniger betroffen. Letzteres laut FAO eine Folge der verringerten Nachfrage nach den jüngsten Futtermittelskandalen in Europa.

FAO-Nahrungsmittelpreisindex (Bild: FAO)

Einer der Gründe für den starken Anstieg der Preise sind die Ernteausfälle der letzten Monate. Während in Australien offensichtlich die flutbedingten Verluste in Queensland durch überdurchschnittliche Erträge in anderen Landesteilen wett gemacht werden, sieht es in China ganz anders aus: Die dortigen Behörden haben aufgrund der schlimmen Dürre, von der etwa die Hälfte der Anbaugebiete für Weizen betroffen ist, bereits 200.000 Tonnen Weizen im Ausland aufgekauft und planen offensichtlich noch weitere Importe. In den letzten beiden Jahrzehnten war China hingegen in Sachen Weizen weitgehend Selbstversorger gewesen.

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