Gehirntraining für den Nachwuchs

Eine Studie weist auf mögliche Erfolge eines einfachen Hirntrainings hin, das auch bei Kindern wirken soll

Bislang galt die goldene Regel, das Gehirnjogging nur die Fähigkeiten in dem trainierten Bereich fördert und keine Transferleistungen möglich sind. Mit anderen Worten: Wer gut Memory spielt, kann sich deshalb noch lange nicht lange Telefonnummern besser merken. Eine ganze Branche lebt gleichwohl nicht schlecht von dem Versprechen, der Merkfähigkeit ganz allgemein auf die Sprünge helfen zu können.

Bereits vor einigen Jahren deutete sich allerdings an, dass doch eine Trainingsmethode zur umfassenden Gedächtnispotenz existiert. Ein Team um Susanne Jaeggi konnte in einer Studie zeigen, dass Studenten, die den sogenannten dual n-back-Test regelmäßig (25 Minuten am Tag, mindestens acht Tage lang) übten, besser in einem Intelligenztest abschlossen. Beim n-back Test werden beispielsweise Zahlenreihen vorgelesen und der Proband muss entscheiden und zeigen, wann eine Zahl n-Schritte vorher bereits vorgelesen wurde. Beim vom Jaeggi und Kollegen 2003 erstmals vorgeschlagenen (pdf) dual n-back Test werden zwei Stimuli gleichzeitig präsentiert, meist ein visueller und ein auditiver. Eine Nachfolgeuntersuchung ergab 2010 allerdings keine Unterschiede in der Wirkung von n-back und dual n-back.

Der n-back gilt seither trotz methodischer Kritik an der Studie als einzig ernst zu nehmende Maßnahme, um logisches Denken zu üben und über mehrere Domänen hinweg zu optimieren.

Nun hat Jaeggi eine visuelle Variante des n-back an Kindern getestet. Sie ließ 31 Kindern im Alter zwischen sieben und zehn Jahren auf den Test los, eine Kontrollgruppe lernte nur Wissensfragen auswendig. Anschließend wurde ein Test der sogenannten fluiden Intelligenz durchgeführt. Das Ergebnis: Nur bei den n-back Kindern, die erhebliche Fortschritte im n-back zeigten, verbesserte sich auch die Ergebnisse im Intelligenztest. Der Effekt hielt sogar über drei Monate an, wobei unklar ist, ob dies auch der normalen Entwicklung der Kinder geschuldet war.

Die Aussagekraft der Studie wird zudem dadurch eingeschränkt, dass die Überfliegergruppe nur noch aus 18 Kindern bestand. Ihr sozioökonomischer Status wurde zu keiner Zeit berücksichtigt. Und wohlgemerkt wurde die sogenannte fluide Intelligenz gemessen, die in erster Linie schnelle Problemlösung und logisches Denken umfasst. Über die Aussagekraft von Intelligenztests wird ohnehin gestritten. Es ist durchaus möglich, dass dem n-back Test eine ähnliche Karriere wie dem Intelligenzquotienten (IQ) bevorsteht. Eine weitere Frage ist, in welche charakterliche Richtung eine Gesellschaft ihren Nachwuchs drängt, wenn sie logisches Denken zur Zentralgröße ihrer Entwicklung macht.

Weitere Forschung wird nun zeigen müssen, welche Gruppen am ehesten von welchen Aufgabenreihen profitieren. Wer die Wirkung von n-back an sich selbst testen möchte, dem stehen schon jetzt eine Reihe von Online-Tools ( www.soakyourhead.com, cognitivefun.net/test/5) und Apps zu Verfügung. Bei sourceforge gibt es eine kostenlose Open-Source-Variante des Brain Workshops zum download.

Trotz eingeschränkter Erfolgsaussichten bisheriger Gehirnjogging-Software setzt die gesamte "Brain Fitness"-Branche mittlerweile Milliarden um. Zuletzt stieg der Risikokapitalgeber Menlo Ventures mit 32,5 Millionen US-Dollar bei der Denkmuckibude Llumosity ein. Lumosity bezeichnet sich als "Neuroscience Gaming Company" und hat nach eigenen Angaben über 14 Millionen zahlende Mitglieder aus 180 Ländern.