Gelähmter steuert mit EEG-Schnittstelle Avatar

Der Benutzer muss sich nur vorstellen, seine Arme oder Beine zu bewegen, um sich in der virtuellen Welt bewegen zu können.

Junichi Ushiba vom Biomedical Engineering Laboratory der Keio-Universität hat bereits letztes Jahr eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) vorgestellt, mit der Menschen durch Abnahme von Gehirnwellen mittels eines EEG einen Avatar in Second Life steuern können. Der Benutzer muss sich lediglich vorstellen, seine Füße bzw. Arme in eine bestimmte Richtung zu bewegen, wodurch er den Avatar in Echtzeit lenken kann.

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Die Wissenschaftler haben vor kurzem ein Experiment mit einem Mann durchgeführt, der seit 30 Jahren gelähmt ist. Der 41-Jährige konnte durch seine Vorstellung der räumlichen Bewegung seiner Arme und Füße ebenfalls einen Avater in Second Life steuern, was die Wissenschaftler als weltweite Premiere feierten. Über ein Mikrofon konnte er auch mit einer anderen, ebenfalls durch einen Avater repräsentierten Person sprechen. Die japanischen Wissenschaftler wollen nun die EEG-Schnittstelle so erweitern, dass die gelähmten Personen auch Texte schreiben können, indem sie durch die Abnahme von Hirnwellen Buchstaaben auswählen, eine Möglichkeit, die es schon längere Zeit gibt.

Das erscheint erst einmal als eine Art Utopie. Menschen, die sich nicht mehr bewegen können und auf Hilfe angewiesen sind, können nun zumindest die virtuelle Welt betreten und dort selbständig agieren, sich bewegen und Kontakte knüpfen. Das könne auch eine Möglochkeit bieten, Menschen, die aufgrund ihrer Lähmung depressiv wurden, wieder zu mehr Aktivität zu motivieren. Junichi Ushiba hat allerdings, so vermittelt die AFP-Meldung den Eindruck, auch eine andere Autonomie im Sinn. Bald, so sagte er, könnten die Behinderten "durch die Shopping Malls in Second Life mit ihren Gehirnwellen flanieren und klicken, um etwas zu kaufen".

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