Geld aus Drogenhandel soll Banken 2008 gerettet haben

Der Chef der UN-Drogenbehörde sagt, das schmutzige Geld sei oft das einzige Kapital gewesen, das noch verfügbar war.

352 Milliarden Dollar hat das organisierte Verbrechen 2008 an Profiten erzielt. Und ein Großteil davon sei, wie Antonio Maria Costa, der Leiter der UN-Drogenbehörde, dem Observer berichtet hat, während der Finanzkrise in das globale Bankensystem geflossen. Gelegentlich habe das schmutzige Geld, das vorwiegend aus dem Drogenhandel stamme, auch Banken, die nicht mehr liquide waren, gerettet.

In vielen Fällen, so Costa, sei dies das einzige Investitionskapital gewesen, das noch geflossen ist, da in der zweiten Hälfte von 2008 Liquidität das Hauptproblem der Banken war. Auch die Anleihen der Banken untereinander seien mitunter durch Gelder geschehen, die aus dem Drogenhandel und anderen kriminellen Aktivitäten stammten.

Allerdings wollte Costa weder Banken noch Länder nennen. Seine Aufgabe sei es, das Problem zu lösen, aber nicht Schuldige herauszustellen. Das Problem sei, dass das schmutzige Geld nun gewaschen und Teil des offiziellen Systems geworden ist. Nach dem Observer seien Hinweise auf Drogengelder, die in die Banken flossen, aus Großbritannien, der Schweiz, Italien und den USA gekommen. Normalerweise hätten die Verbrecherorganisationen das Bargeld außer Landes gebracht, um es vor den Behörden zu entziehen. Als die Banken auf dem Höhepunkt der Finanzkrise kaum mehr verfügbares Kapital hatten, sei die Herkunft des Geldes kein so großes Problem mehr geworden.

Ein Sprecher der britischen Bankenbundes erklärte auf Nachfrage des Oberserver, er habe noch nichts gehört, was eine solche Theorie unterstütze. Es habe zwar einen Liquiditätsengpass gegeben, der aber vor allem von den Zentralbanken – die Geld in den Markt pumpten - aufgelöst worden sei.

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