Gema kassiert jetzt auch bei Kindergärten

Ein wichtiger Profiteur der neuen Einnahmequelle ist der Verleger Axel Sikorski, der 2009 Präsident der VG-Musikedition wurde

Wie das BR-Magazin Quer in einem Beitrag aufdeckte, verlangt die Gema neuerdings von Kindergärten Geld für "nicht lizenzierte Kopien". Gemeint sind damit nicht Dateien, sondern Fotokopien von Noten und Texten. Die geben Erzieherinnen den Eltern mit, damit sie die im Kindergarten gelernten Lieder zuhause üben können. Und obwohl die Verwertungsgesellschaften ohnehin für jede Kopie im Copyshop Geld erhalten und für jedes gekaufte Kopiergeräte Abgaben kassieren, sind diese Kopien nach deutschem Urheberrecht noch einmal gesondert genehmigungs- und abgabepflichtig, was nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen erheblichen bürokratischen Aufwand für die meist klammen Betreuungseinrichtungen bedeutet.

Auf diese neue Politik angesprochen verweist die Gema darauf, dass sie nur der Erfüllungsgehilfe der VG Musikedition sei, für die sie als Inkassounternehmen agiert. Die wiederum rechtfertigt sich damit, dass ihr Vorgehen vom Urheberrechtsgesetz und von Urheberrechtswahrnehmungsgesetz gedeckt sei.

Einen Teil der von Kindergärten eingezogenen Gebühren behalten die Gema und die VG Musikedition. Der Rest geht nicht nur an Urheber, sondern zu einem großen Teil an Musikverlage, die zwar keine schöpferische Leistung erbringen, aber als "Leistungsschutzberechtigte" trotzdem einen Anspruch geltend machen. Einer der größten Verlage für Kinderlieder ist die Sikorski-Gruppe. Ihr Geschäftsführer Axel Sikorski wurde am 26. Mai 2009 Präsident der VG Musikedition. Einige Monate später schrieb diese Verwertungsgesellschaft die ersten Kindergärten an und verlangte Geld von ihnen. Christian Krauß, Geschäftsführer der VG Musikedition bestreitet allerdings, dass dieses neue Vorgehen mit besonderen finanziellen Interessen Sikorskis in Zusammenhang steht.

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