Generika-Verlust? Da baut man vor

Cephalon verbucht Rekordumsätze mit der Wachhaltepille Modafinil – und erhöht den Preis nach Belieben.

Cephalon ist Hersteller eines Medikaments mit Alleinstellungsmerkmal: Modafinil, ein vergleichsweise nebenwirkungsarme Wachmacher, der offiziell als Mittel gegen Narkolepsie und extremer Tagesmüdigkeit zugelassen ist. Allerdings wird sehr viel mehr Modafinil verkauft, als dass es Narkoleptiker und Tagesmüde auf der Welt gibt. Ärzte verschreiben es gestressten Studenten, Managern und Jetlag-Geplagten.

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Mittlerweile setzt das Unternehmen über einen Milliarde Dollar jährlich damit um – man hat einen Blockbuster. Das liegt nicht nur an der Menge: Cephalon hat alleine in diesem Jahr den Preis um 24% pro Pille erhöht, in den letzten vier Jahre um 74%. Mit dieser Preispolitik schaffte es das Unternehmen sogar in das Wall Street Journal. Wegen unerlaubter Werbung zahlte Cephalon jüngst ein stattliches Bußgeld von 444 Millionen US-Dollar – anscheinend ohne mit der Wimper zu zucken.

Cephalon verfolgt eine gleichsam einfache wie faszinierende Strategie. 2012 läuft das Patent auf Modafinil aus, Generika drohen, bis dahin will man seine Schäfchen im Trockenen haben. Zugleich investiert man viel Zeit und Mühe in die Verbreitung der Nachfolgesubstanz von Modafinil: Armodafinil, Handelsname Nuvigil. Nuvigil ist keine medizinische Innovation, es sei denn, man interpretiert die Drehung eines Wirkstoffmoleküls als genial. Aber das Patent gilt bis 2023.

Die weitere Entwicklung der Umsatzzahlen von Modafinil und Armodafinil wird interessant zu beobachten sein, denn an ihnen lässt sich gut das Florieren des legalen Zweigs einer getriebenen Gesellschaft zeigen.

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