Geschäfte mit Atomkraft entwickeln sich für Toshiba zum Gau

Die Übernahmen in den USA führen zu massiven Abschreibungen und der Wert der Aktien stürzt in drei Tagen um 40% ab

Dass die Atomkraft nicht nur für die die Menschen im Umfeld von Atomkraftwerken riskant ist, ist bekannt, wie in Japan zum Beispiel der Super-Gau in Fukushima gezeigt hat. Doch auch für die Staatskasse war es ein schlechtes Geschäft, weil der Betreiber Tepco verstaatlicht werden musste, womit die Kosten für das Desaster bei den Steuerzahlern – wie üblich im Atombereich – hängen bleiben.

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Nun wird es bei Toshiba zunächst teuer für die Aktionäre, denn die Aktien sind seit Dienstag im freien Fall, als der japanische Konzern eine milliardenschwere Gewinnwarnung herausgeben musste. Allein an diesem Tag brach der Wert der Aktie um 17% ein und am Donnerstag waren es erneut fast 11% und im Laufe der Woche hat sie 40% verloren, weshalb schon gemutmaßt wird, dass dem Konzern die Pleite droht und dann würde es vermutlich wieder teuer für die Steuerzahler werden.

Der Grund für die nun angekündigten Milliardenabschreibungen ist der Kauf von Chicago Bridge & Iron (CB&I) durch die Toshiba-Tochter von dem früheren US-Konzern Westinghouse, der zu seiner Rettung auch von einer Wiedergeburt der Atomenergie träumt. Die zugekaufte CB&I ist auf den Aufbau und Rückbau von Atomkraftwerken spezialisiert und es zeigt sich nun, welche Milliardenrisiken in den Projekten stecken, weshalb die deutschen Atomkraftwerksbetreiber diesen Schwarzen Peter und die nicht schätzbaren Endlagerkosten trickreich und billig auf den Steuerzahler abwälzen.

Die Atomsparte von CB&I hatte Toshiba über Westinghouse vor einem Jahr für schlappe 229 Millionen US-Dollar gekauft. Was ein gutes Geschäft sein sollte, verwandelt sich nun in ein Desaster. Denn die Kosten für laufende Projekte von CB&I sind deutlich höher, als zuvor angenommen. "Daher ist eine Abschreibung in Milliardenhöhe unumgänglich – diese zehrt möglicherweise das gesamte Eigenkapital vom Mutter-Konzern Toshiba auf", schreibt "Der Aktionär". Wie groß die Verluste ausfallen, soll erst im Februar feststehen, doch japanische Medien sprechen schon jetzt von mehr als 4 Milliarden Euro.

So könnten sich die im Dezember 2015 zugekauften Atomprojekte für Toshiba nun zum größten anzunehmenden Unfall (Gau) entwickeln, die außerhalb von Atommeilern möglich sind. Denn das Geschäft könnte sich in einer Firma, in der es ohnehin längst kriselt, auch zum Super-Gau auswachsen. Die Kapitaldecke sei nach Angaben von Experten dünn und die Verluste bei den US-Töchtern Westinghouse und CB&I seien enorm, gab sogar Konzernchef Satoshi Tsunakawa zu.

Dabei verteidigte der neue Chef, der erst seit Sommer im Amt ist, sogar noch den Kauf gegenüber den Kritikern. Das Verfahren sei korrekt gewesen, denn man habe geglaubt, dass die Übernahme von CB&I mehr Vorteile als Risiken berge. Er beklagte aber mangelnde Kontrolle, die offenbar in Finanzfragen genauso lückenhaft ist wie in den maroden Atomanlagen.

Vergessen werden sollte nicht, dass zu diesem Debakel die Krise im Konzern kommt, die 2015 offen wurde, als ein Bilanzskandal aufflog. Toshiba gestand ein, über Jahre hinweg seien in einigen Sparten systematisch Gewinne aufgebläht worden. Das Unternehmen musste als Konsequenz nicht nur Bilanzen rückwirkend korrigieren, sondern verlor auch den größten Teil der Konzernführung. Und das Problem des Konzerns ist zudem, dass nicht nur die Atomsparte großen Ärger macht, weshalb der Konzern 2015 schon einen Verlust von fast vier Milliarden Euro ausweisen musste.

Zudem droht Toshiba auch aus Fukushima zusätzlich Ungemach, denn mit Hitachi und General Electric ist auch Toshiba von einer Klage von Opfern betroffen. Zahlreiche Menschen klagen gegen die drei Konzerne vor einem Gericht in Tokyo, die am Bau der Atommeiler in Fukushima Daiichi beteiligt waren. Vorgeworfen wird ihnen, sie hätten notwendige Sicherheitsverbesserungen für die vier Reaktoren unterlassen.

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