Gewalt und Mord gegen Umweltschützer

Auf den Philippinen und in Honduras wurden Umweltschützerinnen ermordet, die offensichtlich Geschäftsinteressen von Unternehmern im Wege standen

Im Umweltschutz wird mit unter mit harten Bandagen gekämpft, insbesondere wenn es um viel Geld geht. Zum Beispiel in der Lausitz, wo die künftigen Besitzer der Braunkohle EPH, ein von Investmentbankern gegründetes Unternehmen, und sein in der britischen Steueroase Jersey angesiedelter Finanzierungspartner PPF 1,6 Milliarden Euro von Vattenfall dafür bekommen, dass sie dem schwedischen Staatskonzern das Braunkohlegeschäft abnehmen. (Verantwortungslosigkeit mit Ansage nennt die Süddeutsche Zeitung den Deal.)

Da verwundert es nicht weiter, dass, wie berichtet, die Anti-Braunkohleproteste in der Lausitz von Neonazis angegriffen wurden, während sich die Umweltschützer zugleich von Landespolitikern von AfD bis SPD als Extremisten beschimpfen lassen mussten. Entsprechende Muster sind immer wieder zu beobachten: Bei derartigen Geldbeträgen und derartiger Größe der industriellen Projekte gibt es manchen Gewinner, und es geht um viel Macht auf den unterschiedlichsten Ebenen. Da liegen die Nerven recht schnell blank, wenn die Dinge nicht mehr rund laufen und sich in der Gesellschaft Widerstand formiert.

Noch schlimmer geht es in einigen Entwicklungsländern zu. Auf den Philippinen wurde Anfang des Monats die 57jährige Gloria Capitan in ihrer Bar erschossen. Capitan war aktiv am Widerstand gegen eine Kohlehalde in ihrer Nachbarschaft und gegen den Bau von Kohlekraftwerken in ihrer Provinz gewesen, berichtet das US-amerikanische Internetmagazin Mongabay. Die Philippinen seien eines der gefährlichsten Länder für Umweltschützer. Von den 185 Morden, die 2015 weltweit an Aktivisten verübt wurden, wurden 33 auf den Philippinen begangen. Nur in Brasilien waren es mit 50 Morden mehr, geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Global Witness hervor.

Auch Honduras gehört zu den für Menschenrechts- und Umweltaktivisten besonders gefährlichen Ländern. Dort wurde vergangene Woche Lesbia Yaneth Urquía ermordet, wie die Platform Labournet.de berichtet. Die 49-jährige, im Zivilen Rat der Indigenen und Volksorganisationen (COPINH) organisierte Urquía hatte sich unter anderem gegen den Bau eines Staudamms engagiert. Eigentümerin des für den Staudamm verantwortlichen Unternehmens sei die Präsidentin der Regierungspartei Gladys Aurora López.

In Honduras war 2009 eine linksliberale Regierung, die die Rechte der armen Bevölkerungsmehrheit stärken wollte, mit Unterstützung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung durch einen Militärputsch gestürzt worden. (Siehe Honduras-Krise erreicht Europa und Ein Jahr voller Gewalt). Das Land hatte 2012 mit 90,4 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohnern die höchste Mordrate weltweit. Zu den Opfern gehören auch immer wieder Journalisten, Justizbeamte, Menschenrechtler, Oppositionspolitiker und Vertreter von Organisationen der Bauern und Indigenen. 2015 kamen zum Beispiel bei Protesten gegen die Privatisierung des Bildungssystems vier Schüler zu Tode. (Angaben nach Fischer Weltalmanach 2016.)

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