Gigantisches Steuerloch am Hindukusch

Laut einem neuen US-Militärbericht geht eine erkleckliche Summe amerikanischer Dollar an die Taliban

Die Versorgung der 100.000 US-Soldaten in Afghanistan ist ein lukrativer Mark, viel Geld ist im Spiel: auf 2, 16 Milliarden Dollar wird der Gesamtwert der Verträge veranschlagt, welche die USA mit Transport-und Sicherheitsunternehmen abgeschlossen hat. Mehr als 70 Prozent des Nachschubs für das US-Militär in Afghanistan wird über Lastwagenkonvois geliefert. Dafür sind wöchentlich 3000 bis 4000 Trucks unterwegs. Pro Lastwagen werden etwa 1.500 bis 2.500 Dollar an Schutzgelder entrichtet. Dieses Geld soll an Subunternehmer gehen, afghanische Sicherheitsunternehmen, die mit Warlords und Taliban in Verbindung stehen.

Das geht aus einem Artikel der Washington Post hervor, der von neuen "anscheinend endgültigen" Beweisen dafür berichtet, dass eine erkleckliche Summe Steuergelder an die Taliban und Warlords geht. Von solchen Kanälen war bereits öfter die Rede, so im Winter 2008 ( Versorgung der Truppen: Schutzgeld und Straßenzoll für Taliban und Warlords?).

So bestätigt der neue bislang unveröffentlichte Untersuchungsbericht des US-Militärs, an den die Zeitung gelangt ist, das, was bereits in früheren Kongress-und Militärberichten zu lesen war. Und genau das, so die Washington Post sei der eigentliche Skandal, dass das Problem überhaupt nicht gelöst wurde. Dass alle acht großen Vertragspartner - Transportunternehmen, die seit Jahren in dem Netz an Korruptions-und Schutzgeldzahlungen zentrale Stellen einnehmen, weiter auf der "U.S. Payroll" bleiben.

Bei vier von acht dieser Vertragspartner habe die Armee - in Dokumenten nachgewiesene, glaubhafte Beweise dafür gefunden, dass sie in kriminellen geschäftlichen Verbindungen (enterprise or support) mit dem Feind steht". Sechs der Unternehmen seien in betrügerische Machenschaften verwickelt. Man habe etwa den Weg einer 7,4 Millionen-Zahlung an einen der acht Vertragspartner verfolgt. Der habe Teile der Summe an einen Subunternehmer bezahlt, der wiederum andere Subunternehmer damit beauftragte, Lastwagen zu beschaffen. Die Sub-Subunternehmer hätten dann Geld auf ein Konto einbezahlt, das auf den Namen eines afghanischen Polizeioffiziers läuft. Das sei "gut angefüllt" mit Zahlungen von Subunternehmen als Gegenleistung für eine sichere Passage der Konvois. Geheimdienste hätten die Spur von 3,3 Millionen Dollar weiterverfolgt, die via 27 Abhebungen vom Konto abgezogen wurden, um schließlich in Form von Waffen und Sprengstoff in den Händen von "Insurgents" zu landen.

Sechs der acht Unternehmen, die von den USA als primäre Vertragspartner des "Host Nation Trucking"-Vertrags ausgesucht wurden, gehören afghanischen Geschäftsleuten, manche mit ausländischer Beteiligung. Zwei der Vertragspartner laufen als amerikanische Unternehmen. Der Chef eines dieser Unternehmen ist der Sohn des afghanischen Verteidigungsministers. Welches der Unternehmen namentlich an den Geschäften mit Warlords und Taliban beteiligt ist, will auch die neue Untersuchung nicht herausgefunden haben - trotz Unterstützung des FBI, des Finanzministeriums und der Geheimdienste.

Wieviel der Steuergelder der USA, die nicht zuletzt auch durch die hohen Kriegskosten am Rand des Bankrotts stehen, an gegnerische Kräfte gehen, darüber fehlt ebenfalls jede Angabe. Außer Frage steht in diesem Kontext, das von den gigantischen Dollar-Summen, die zwei amerikanische Regierungen nach Afghanistan strömen ließen - zu Anfangs noch unter schillernden Namen wie Operation Enduring Freedom oder Nation-Building - US-Unternehmen in großem Ausmaß profitierten. Während sich die miserable wirtschaftliche Situation im Land in den letzten zehn Jahren der Befreiung kaum geändert hat. Auch das dürfte ein Thema für Steuerzahler in den USA sein, zumindest für jene, die nicht genug verdienen, um von Steuererleichterungen zu profitieren...

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