Gleiche Rechte gefordert

UN-Vertreter stützt die indische Position in den Klimaverhandlungen.

George Kell, Vorsitzender des UN-Komitees Global Compact, hat letzte Woche auf einer Konferenz über Wirtschaft und Umwelt in Singapur für die Schwellenländer das Recht auf den gleichen Lebensstandard wie in den Industriestaaten gefordert, berichtet die indische Zeitung The Economic Times. Kell nahm damit Bezug auf die Debatte über so genannte Verschmutzungsrechte. Indien fordert seit langem wie auch einige andere Entwicklungsländer, die Pro-Kopf-Emissionen in den Verhandlungen über die Beschränkung und Reduktion der Treibhausgase zum entscheidenden Maßstab zu machen. Kell gestand in der Debatte zwar ein, dass ein solcher Ansatz eventuell an die aufstrebenden Mittelschichten Chinas und Indiens, die sich hinter ihren armen Mitbürgern verstecken würden, das falsche Signal senden könnte. Er forderte aber, dass der Pro-Kopf-Ansatz zumindest dann berücksichtigt werden müsse, wenn es um finanzielle und Technologietransfers gehe.

Global Compact ist eine Initiative der Vereinten Nationen, mit der Konzerne in die Lösung von Umweltproblemen und die Durchsetzung von sozialen und Menschenrechten eingebunden werden sollen. Kritiker wittern dahinter eher den Versuch multinational agierender Unternehmen, die verschiedenen UN-Verhandlungsprozesse über Umweltfragen und soziale Probleme zu beeinflussen.

Die Kohlendioxid-Emissionen Indiens betragen 1,2 Tonnen pro Jahr, die Chinas zirka fünf Tonnen, während in Deutschland der Wert etwa zehn und in den USA 20,6 Tonnen beträgt. Da zur Zeit Biosphäre und Ozeane einen Teil des aus der Verbrennung fossiler Energieträger emittierten Kohlendioxids aufnimmt, gelten umgerechnet auf die ganze Menschheit Emissionen von zwei Tonnen pro Kopf und Jahr als gerade noch verträglich. Einige britische Wissenschaftler und Aktivisten fordern seit langem, dass die Staaten sich auf der Grundlage des Prinzips der Gleichheit, also des gleichen Einspruchs aller Menschen auf die gleiche Menge an Emissionen, auf ein Schema der schrittweisen und differenzierten Treibhausgasreduktion einigen. Danach würde den Entwicklungsländern für eine gewisse Zeit eine weitere Steigerung ihrer Emissionen zugestanden, während die Industriestaaten ihr hohes Niveau möglichst rasch abbauen. Die Pro-Kopfemissionen würden dann weltweit in einigen Jahrzehnten auf einem niedrigen Niveau konvergieren.