Globale Erwärmung geht immer weiter

Bereits über ein Grad Celsius erreicht, aber in Deutschland wird ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb genommen

Die ersten Auswertungen der globalen Temperatur für 2019 liegen vor. Die Daten des japanischen Wetterdienstes zeigen es als zweitwärmstes Jahr in der Geschichte der Aufzeichnungen. Wärmer war es nur 2016, was allerdings ein außergewöhnliches Jahr wegen eines der bisher stärksten beobachteten El-Niño-Ereignisse war. Während dieser quasi-periodisch auftretenden Wetterphänomen ist der tropische Pazifik besonders warm, was sich für gewöhnlich auf die globale Durchschnittstemperatur auswirkt.

Genauso warm wie 2019 war es demnach 2015, an vierter Stelle folgt 2017, an fünfter 2018 und an sechster 2014. Oder mit anderen Worten: Der Temperaturanstieg war so stark, dass auch die natürlichen Schwankungen, die es von Jahr zu Jahr gibt, nicht verhindert haben, dass im ausgehenden Jahrzehnt die sechs wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen lagen.


Und es geht munter weiter. Die Auswertung des beim Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersagen angesiedelten Copernicus Climate Change Service für Dezember zeigt, dass dieser Monat im globalen Maßstab rekordverdächtig war. Er lag gleich auf mit dem bisherigen Rekordhalter Dezember 2015 und sei 0,74 Grad wärmer als der Durchschnitt über die Dezember 1981 bis 2010 gewesen.

Abweichung der Oberflächentemperatur vom jeweiligen örtlichen Mittelwert für die Jahre 1981 bis 2010. Bild: Copernicus Climate Change Service/ECMWF


Sowohl in der Antarktis als auch in der Arktis sei die Ausdehnung des Meereises unterdurchschnittlich gewesen. In der Arktis ist das nun schon ein seit vielen Jahren ein anhaltender Trend, der im Spätsommer gewöhnlich besonders stark ausgeprägt ist, weil inzwischen große Meeresflächen wochen- oder monatelang eisfrei sind, die in früheren Jahrzehnten auch im Sommer stets bedeckt blieben. Zudem nimmt die Dicke des Eises ab, was es empfindlicher für die Sommerwärme und starke Winde macht, die es nun aufbrechen, zusammenschieben und an Grönland vorbei in Richtung Süden drücken können.

Auch bei Copernicus sieht man 2019 als das zweitwärmste Jahr nach 2016. Im vergangenen Jahr sei es über den Planeten gemittelt 0,59 Grad Celsius wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 gewesen. Um einen Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu haben, auf die sich die international vereinbarte Klimaschutzziele beziehen, müssten weitere 0,63 Grad Celsius addiert werden (Genauigkeit +/-0,06 Grad Celsius).

Damit lag die globale Temperatur 2019 bereits 1,22 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Die Autoren des Copernicus-Monatsbericht verweisen darauf, dass die verschiedenen globalen Datensätze in den letzten Jahren zu etwas anderen Mittelwerten gekommen sind, aber alle in der Grundtendenz der rasanten globalen Erwärmung übereinstimmen und auch darin, dass die letzten Jahre die wärmsten gewesen seien.


Die Abweichungen vom Copernicus-Wert legen zwischen 0,03 und 0,14 Grad Celsius. Oder mit anderen Worten: Die globale Temperatur lag 2019 mindestens 1,02 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. (Die beiden Fehler addieren sich, daher müssen für den Mindestwert 0,2 abgezogen werden. Man könnte aber auch sagen, dass der Wert 2019 um bereits bis zu 1,28 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau lag.)


In Deutschland feiert man das, indem in Datteln zu Jahresbeginn ein neues Kohlekraftwerk in den Probebetrieb genommen wurde und die Bundesregierung die Fördergelder für die Erforschung erneuerbarer Energieträger massiv zusammenstreicht. Der Entwurf für ein Kohleausstiegsgesetz liegt noch immer nicht vor.