Glühbirnenverbot im Scheinwerferlicht

Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet die Geschichte der "EU-Richtlinie zur Regulierung von Lichtprodukten in privaten Haushalten"

Die interessantesten europäischen Dokumentarfilme kamen in den letzten Jahren aus Österreich: We Feed the World, der auf eindrucksvolle Weise Verdrängtes und Verstecktes über die Nahrungsmittelproduktion offenbart, Let's Make Money, der erklärt, warum es Finanzkrisen gibt, und Darwin’s Nightmare der zeigt, wie Hunger erzeugt wird. Morgen startet in den deutschen Kinos ein weiterer österreichischer Film, der sich mit Politik und Wirtschaft beschäftigt: Bulb Fiction von Christoph Mayr. Er dreht sich um die Entstehung und die Auswirkungen des Glühbirnenverbots in der EU.

Im Vorfeld dieser Richtlinie – das weiß man heute – ist viel gelogen und gemauschelt worden. Und so kam es, dass das Verbot in der Öffentlichkeit nicht wie ein Geschenk an Siemens/Osram, Philips und Megaman/IDV aussah, sondern wie eine Öko-Großtat, die dazu geeignet war, das Image undemokratischer Strukturen erheblich zu verbessern. Das allerdings hielt nicht allzu lange vor: Nach und nach kam heraus, dass die Energiesparlampen teurer Quecksilber-Sondermüll sind und so lange zum Hellwerden brauchen, dass sie viele Nutzer nicht mehr ausschalten – was selbstverständlich den Energiesparzweck konterkariert. Aber zwei große europäische Konzerne haben durch die Richtlinie so lange Ruhe vor asiatischen Konkurrenten, bis ihre Energiesparlampen- Halogen-, und LED-Patente abgelaufen sind.

Diese Geschehnisse sind ein Lehrstück darüber, wie die EU funktioniert. Ein Lehrstück, das es durchaus verdient, nicht nur in Text-, sondern auch in Bewegtbildform verbreitet zu werden. Mayr beschränkt sich aber nicht nur auf die Untersuchung der Verbindungen zwischen Brüssel und den Industrielobby, sondern fragt auch, wie sich eine NGO wie Greenpeace sich so vor den Karren dieser Interessen spannen lassen konnte und das Verbot durch eine Aktion am Brandenburger Tor unterstützte, bei der 10.000 Glühbirnen plattgewalzt wurden. Hätte man das mit Energiesparlampen gemacht, dann wären 50 Millionen Liter Wasser verseucht und zahlreiche Zuschauer gefährdet worden.

Anzeige