Google: Der Konzern, der es keinem recht machen kann

Nach der Herausnahme deutscher Werke aus dem Book-Settlement befürchten Bedenkenträger einen kulturellen Bedeutungsverlust

Urheberrechte, Copyright und das "Google Book Settlement" sind komplexe Themengebiete mit viel juristischer Fachterminologie und differenzierten Problemlagen. Da wuchsen in den letzten Monaten die Bäume mit einem weit auswuchernden Geäst zu furchterregender Größe heran, so dass der Wald nicht mehr zu sehen war. Durch- und Überblick verschafften sich selbsternannte Verteidiger der Interessen von Autoren mit einem wahren Sturm der Entrüstung "gegen die Übermacht aus Kalifornien". Appelle aus Heidelberg und dazu Statements aus dem Berliner Justizministerium hielten dem ein eindeutiges "Nein!" entgegen. Google Books sei gegen die Interessen der deutschen Verlage und Autoren, eine schlimme Zukunft stünde bevor. Die Angst, so deuten Kommentare hin, war von manchem Unterzeichner nicht immer mit dem nötigen Grundlagenwissen untermauert. Emotionen produzierten viel Entrüstung.

Seit Freitagabend gibt es - nicht zuletzt wegen der Proteste, an die sich auch die französischen Nachbarn angeschlossen hatten - eine neue "abgemilderte Version" des "Google Book Settlement": Demnach sollen nur noch urheberrechtlich geschützte Bücher in den Google-Katalog eingehen dürfen, die in den USA, Großbritannien, Australien oder Kanada veröffentlicht wurden. Der Vergleich schließt Bücher, die in Deutschland verlegt werden, beinahe vollständig aus der Verhandlungsmasse der Einigung aus. Bestandteil des Vergleichs sind lediglich "ältere deutsche Bücher", die schon im US-Copyrightregister eingetragen sind.

Anlaß zum Jubel?

Nicht unbedingt. "Der neue Vergleichsvorschlag weist Licht und Schatten auf", kommentiert Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels die Nachricht aus dem Federal District Court in Manhattan. Er befürchtet jetzt, dass Europa gegenüber Amerika den weltweiten Anschluss bei der Online-Erschließung von Bibliotheksbeständen verlieren könnte.

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