Grausames Video aus Syrien

Ein syrischer Rebellenkommandant isst ein Organ eines getöteten Assad-Soldaten und bringt die Unterstützer der Opposition in Verlegenheit

Ganz klar ist nicht, was das kurze Video wirklich zeigt, das derzeit die Gemüter erhitzt. Zu sehen ist eine kurze Sequenz, in der angeblich ein syrischer Rebell das Herz aus einem toten syrischen Soldaten mit einem Messer herausschneidet und an seinen Mund führt, als würde er es essen. Dabei sagt er, er schwöre, die Herzen und Leber der "Hunde von Bashar" zu essen. Daraufhin hört man: "Allahu akbar".

Es soll sich um den Sunniten Khalid al-Hamad oder Abu Sakkar, den Kommandeur der aus 60 Kämpfern bestehenden Al Farooq al-Mustakilla Brigade handeln, der der US-Zeitschrift Time via Skype erklärt hat, zu der Tat angestiftet worden zu sein, nachdem er auf dem Handy des Soldaten ein Video gefunden habe, in dem dieser eine nackte Frau und ihre beiden Töchter misshandelt habe.

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Das Video soll bereits im April von Time-Reportern gesehen und als authentisch bezeichnet worden sein. Time selbst blieb zunächst skeptisch, zumal das Video von einer pro-syrischen Website in Umlauf gebracht wurde. Nun also hat al-Hamad den Vorgang bestätigt und gesagt, er habe einen Teil der Lunge gegessen. Videos über die Schändung von Toten würden beide Seiten machen, er hoffe aber, mit seinem Video erreicht zu haben, dass Pro-Assad-Soldaten oder -Kämpfer in das von ihm kontrollierte Gebiet in Homs nicht eindringen werden. Die Brutalität des Kriegs hätte ihn soweit gebracht, Menschen, die das nicht erlebt haben, würden nicht erfahren, was sie erfahren, rechtfertigte er seine Inszenierung. Der Aufstand habe friedlich begonnen, aber dann hätten die Alawiten begonnen, Kinder zu töten und Frauen zu vergewaltigen. Jetzt sei die Losung: "Auge für Auge und Zahn für Zahn".

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Der Sprecher des US-Außenministeriums zeigte sich entsetzt und erklärte, dass sich alle Seiten an die internationalen humanitären Rechte halten müssten. Das sei die Tat eines brutalen Einzelnen. Auch der Oberste Militärrat der syrischen Opposition verurteile solche Aktionen. Der Syrische Nationalrat verurteilte die Handlung, sie widerspreche der Moral der Syrer und den Werten der Freien Syrischen Armee.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte, eine Verurteilung reiche nicht, auch nicht der Versuch, die Regierungstruppen für die Grausamkeit verantwortlich zu machen. Die syrische Opposition müsse die Täter zur Verantwortung ziehen, auch wenn die Al Farooq al-Mustakilla Brigade nicht zur Freien Syrischen Armee gehöre. HRW verlangt vom UN-Sicherheitsrat, den UN-Strafgerichtshof zu beauftragen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien von allen Seiten zu verfolgen. HRW geht davon aus, dass Abu Sakkar auch für den Beschuss von schiitischen Siedlungen im Libanon verantwortlich ist.

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