Griechen-Bailout ist Banken-Bailout

Deutsche Geldinstitute sind die größte Gläubigergruppe der Regierungen von Griechenland, Spanien und Portugal

Wenn Marc Beise in der Süddeutschen Zeitung etwas als alternativlos und notwendig darstellt, dann sollte man stutzig werden: Aktuell zeichnet er das Bezahlen der durch grobe Manipulation lange verborgenen Staatsschulden Griechenlands durch den deutschen Steuerzahler als eine solche Maßnahme. Im Manager-Magazin hatte Thomas Mayer, der Chefökonom der Deutschen Bank, bereits in der letzten Woche vehement einen Griechenland-Bailout gefordert.

Hintergrund dieser Empfehlungen an die Politik ist offenbar nicht zuletzt, dass die wichtigsten Gläubiger der griechischen Regierung französische, schweizer und deutsche Banken sind. Rechnet man die Schulden der staatsbankrottgefährdeten Länder Griechenland, Spanien und Portugal zusammen, dann sind die deutschen Geldinstitute mit 331 Milliarden Euro sogar die größte Gläubigergruppe. Vom deutschen Steuerzahler für einen Länder-Bailout aufgebrachtes Geld geht indirekt an sie.

Nachdem sich in der letzten Woche eine wahrscheinliche Stützung Griechenlands durch die Steuerzahler anderer Länder abzeichnete, stieg der zuvor gesunkene Kurs des Euro wieder. Eine Reaktion, die den Theorien von der reinigenden Wirkung von Märkten zu widersprechen scheint, da der Kurs ja eigentlich nicht bei der Anbahnung eines Bailouts, sondern bei einem Hinauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone steigen sollte, der gezeigt hätte, dass man die Stabilitätskriterien ernst nimmt und Vertrauen in die Währung gerechtfertigt wäre.

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