Griechenland will Seegrenze zur Türkei mit Drohnen überwachen

Nach Spanien und Italien will nun auch die griechische Regierung im Mittelmeer mit unbemannten Luftfahrzeugen patrouillieren

Die griechische Regierung beabsichtigt, die Ägäis mit Drohnen zu überwachen. Das Ministerium für Schifffahrt hat laut Medienberichten eine entsprechende Ausschreibung veröffentlicht, wonach die Drohne bereits ab Ende Juni verfügbar sein soll. Welches Ministerium die Drohnen dann betreiben soll, wird allerdings nicht berichtet.

Griechenland will damit auf die unerwünschte Einwanderung über den Seeweg reagieren. Monatlich kämen laut dem Schifffahrtsminister Miltiadis Varvitsiotis rund tausend Migranten durch die östliche Ägäis. Das verwundert nicht, denn die türkisch-griechische Landgrenze ist mittlerweile durch einen Zaun und einen Panzergraben gesichert. Dadurch nehmen vor allem Überfahrten von der türkischen Westküste wieder zu. Laut den Medienberichten hätten sich diese in 2013 verdreifacht. Dies betrifft vor allem syrische Flüchtlinge.

Bislang nutzen lediglich Spanien und Italien Drohnen zur Migrationskontrolle im Mittelmeer (Drohnen vor Libyen und Tunesien). In mehreren EU-Projekten wird nun die Verwendung militärischer Langstreckendrohnen der Typen "Predator" und "Heron" erprobt. Es ist unklar, um welche Gewichtsklasse es sich bei den von Griechenland anvisierten Drohnen handelt. Die Armee fliegt beispielsweise mehrere Exemplare der französischen Drohne "Sperwer". Letztes Jahr trat Griechenland zudem einem "Club der Drohnennutzer" bei, der unter anderem auf Initiative des deutschen Verteidigungsministers gegründet worden war. Dabei geht es um Synergien bei der Beschaffung militärischer Drohnen der MALE-Klasse.

Die nun anvisierte Drohne dürfte sich jedoch weitab von derartigen Dimensionen bewegen: Das Budget ist zunächst mit rund 78.000 Euro angegeben. Die Drohne soll dabei 60 Flugstunden in zwei Monaten absolvieren. Sie soll mit Tages- und Nachtsichtgeräten ausgestattet werden und sich mindestens 50 Kilometer vom Kontrollzentrum entfernen können. Als Mindesthöhe gelten 60 Meter, als maximale Höhe 6.000 Meter. Die Drohne soll dabei schneller als 70 Kilometer pro Stunde unterwegs sein. Damit sie vom Boden unbemerkt bleibt, wünscht sich das Ministerium eine geringe Geräuschentwicklung. Es handele sich um Pilotprojekt, eine Serienbeschaffung könnte also folgen.

Letztes Jahr hatte die EU-Grenzagentur FRONTEX eine ähnliche Ausschreibung veröffentlicht, wonach griechische Grenzen von einem Flugzeug aus überwacht werden sollte (Frontex geht in die Luft). Damals war von radargestützter Überwachung sowie Infrarot- und Wärmebildkameras die Rede. Mehrmals hatte FRONTEX in der griechischen Hafenstadt Aktio eine Luftfahrtschau abgehalten, um Drohnen verschiedener Hersteller zu testen. Unter anderem waren mit EADS und Northrop Grumman auch die Hersteller der deutschen Riesendrohne "Euro Hawk" zu einer Präsentation eingeladen.

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