Großbritannien: Noch ein AKW-Bauer abgesprungen

Die britische Atomrenaissance kommt nicht voran. Nun soll chinesisches Geld helfen

Großbritannien laufen die potenziellen Bauherren für neue Atomkraftwerke davon. Nach diversen Zeitungsberichten zieht sich der britische Energiekonzern Centrica aus dem geplanten Konsortium mit der französischen EDF zurück. Die Kosten der zwei an der südwestenglischen Küste am Standort Hinkley Point geplanten Reaktoren werden inzwischen auf rund 14 Milliarden britische Pfund (rund 16,6 Milliarden Euro) geschätzt. Fast eine Milliarde Pfund wurden bereits in Planung und Entwicklung gesteckt. Centrica gibt gestiegene Kosten und mehrjährige Verzögerungen als Grund für den Ausstieg an.

Das Unternehmen, das unter anderem auch einige bestehende britische AKW betreibt, hielt einen Anteil von 20 Prozent am Konsortium, galt aber schon seit einigen Monaten als Wackelkandidat. EDF hatte sich daher bereits auf den Ausstieg vorbereitet. Im November hatte es die Lizenz für den Bau der beiden neuen Kraftwerke bekommen, doch der französische Staatskonzern verhandelt noch mit der britischen Regierung über feste Abnahmepreise für den produzierten Strom. Ohne Subvention und im freien Wettbewerb traut man sich den Betrieb offensichtlich nicht zu. Derweil bestätigte EDF gegenüber britischen Zeitungen, dass das Unternehmen mit der China Guangdong Nuclear Power Corporation über die Übernahme des Centrica-Anteils verhandelt.

Großbritanniens Regierung möchte eine ganze Flotte neuer Atomkraftwerke bauen, auch wenn der liberale Juniorpartner noch im Wahlkampf gegen neue Atomkraftwerke polemisiert hatte. Allerdings gab es in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Rückschlägen. Schon vor einem knappen Jahr waren die deutschen Energiekonzerne E.on und RWE aus entsprechenden Plänen ausgestiegen.

Anfang des Monats gab es nun einen folgenreichen Ausfall bei der Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Abfall. Der Rat der Grafschaft Cumbria, der einzige im ganzen Land, der bisher Interesse gezeigt hatte, das Lager zu akzeptieren, hat einen Rückzieher gemacht. Zu all dem kommen noch Berichte von nicht enden wollenden Kosten für die Dekontaminierungsarbeiten im Umfeld der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield, ehemals als Windscale bekannt, die seit Jahrzehnten immer wieder negative Schlagzeilen macht. 67,5 Milliarden Pfund (rund 80 Milliarden Euro) wurden dort bereits ausgegeben, heißt es auf der Internetseite des Senders BBC - und ein Ende sei nicht in Sicht.

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