Großbritannien tiefer in die Rezession gespart

Die Wirtschaft ist im zweiten Quartal deutlich stärker als ohnehin erwartet geschrumpft, jetzt wird auf einen Olympia-Effekt gehofft

Der konservative Sparkurs in Großbritannien hat nun die erwartete Wirkung gezeitigt. Das britische Statistikamt teilte am Mittwoch mit, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im zweiten Quartal sogar um 0,7% gegenüber Vorquartal gesunken. Damit hat sich die Rezession deutlich verschärft, denn im ersten Quartal schrumpfte das BIP nur um 0,3 Prozent. Die Wirtschaftsleistung war auch im vierten Quartal 2011 schon um 0,3% zurückgegangen.

Dieser starke Einbruch im zweiten Quartal hat viele Experten überrascht. Sie hatten damit gerechnet, dass der Einbruch mit 0,2% sogar schwächer als zuvor ausfallen würde. Doch auch den Konservativen in Großbritannien fällt offenbar der Zusammenhang ihres strikten Sparkurses und einer verstärkten Rezession nicht auf. Weil der britische Premierminister aber weiß, dass die Schulden ohne Wachstum nicht in den Griff zu bekommen sind, beschreibt David Cameron die Quadratur des Kreises: "Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir unsere Anstrengungen verdoppeln, um unsere Schulden in den Griff zu bekommen, das Defizit anzugehen und die Wirtschaft anzukurbeln", sagte er.

Auch Großbritannien steckt nun im Double-Dip. Für die Zeitung Guardian ist das der kräftigste Rückfall in die Rezession nach einer kurzen Erholungsphase seit den 1970er Jahren. Schon 2008 und 2009 steckte die Wirtschaft sogar 18 Monate lang in der Rezession. Die Begründungen für den verstärkten Absturz sind nicht neu. Vor allem schaut die Regierung nach außen und macht die "Schuldenkrise im Ausland" verantwortlich. Natürlich macht sich das auch in Großbritannien bemerkbar, wenn alle europäischen Partner den Sparkurs fahren müssen und weniger Waren und Dienstleistungen in Großbritannien nachfragen. Dazu kommen aber auch skurrile Erklärungen, wenn die Regierung auch den zusätzlichen Feiertag zum 60-jährigen Thronjubiläum von Königin Elizabeth anführt.

Großbritanniens Verschuldung steigt derweil weiter kräftig an. Das machen neue Zahlen von Eurostat deutlich. Die Verschuldung ist im ersten Quartal 2012 auf 86,4% gestiegen. Vor einem Jahr lag sie noch bei 79,8%. Anders als im Fall von Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden oder nun auch beim temporäreren Rettungsfonds (EFSF) ist trotz der vorhersehbaren schlechten Daten von der Insel bisher nichts von einer Abstufung der Kreditwürdigkeit zu hören. Zu erinnern sei daran, dass die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) dagegen schon vor einem halben Jahr Frankreich und Österreich die Bestnote "AAA" aberkannt hat. Die Hoffnung, dass die Olympiade im Land das Land aus der Rezession ziehen kann, wird derweil kleiner. Vor den Spielen ist ausgerechnet die Bauwirtschaft mit 5,2% besonders stark eingebrochen.

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