Grüner Sinkflug hält an

In einer neuen Umfrage liegt die Partei nur mehr bei neun Prozent und fällt hinter die Linke zurück

Im Frühjahr 2011, nachdem in Japan ein Erdbeben und ein Tsunami das Kernkraftwerk Fukushima zerstörten, lagen die Grünen in Forsa-Sonntagsfragen zu Bundestagswahl bei Werten bis zu 28 Prozent. Dann beschloss Bundeskanzlerin Angela Merkel die Energiewende und es begann ein langsamer Sinkflug, der sich nach den Debatten um einen fleischfreien Veggie Day deutlich beschleunigte. Nun liegen die Grünen in einer neuen Forsa-Umfrage nach einem Verlust von zwei Prozentpunkten erstmals seit Mai 2009 wieder unter 10 Prozent. Über diesen Wert ist man nicht überall in der Partei nur unglücklich: Manche erhoffen sich dadurch ein inhaltlich und personell reinigendes Gewitter, das den Grünen langfristig nutzt: Ist das Wahlergebnis ähnlich schlecht wie die aktuellen Umfragewerte, dann könnte es sein, dass beispielsweise die als GEMA-Lobbyistin kritisierte kulturpolitische Fraktionssprecherin Agnes Krumwiede nicht mehr in den Bundestag kommt.

Die Union verliert in der vom 3. bis zum 9. September durchgeführten Forsa-Umfrage ebenfalls und kommt nun nur mehr auf 39 anstatt auf 40 Prozent. Kräftig zulegen kann dagegen die SPD, deren Umfrageergebnis von 23 auf 25 Prozent steigt. Die Linke gewinnt einen Punkt hinzu und kann sich mit nun 10 Prozent als drittstärkste Partei vor die Grünen schieben. Fünfte Kraft im Bundestag wäre der Umfrage nach die FDP, die mit sechs Prozent zwei Punkte besser dasteht als in einer kurz vorher vom Meinungsforschungsinstitut INSA durchgeführten Sonntagsfrage. Die Alternative für Deutschland (AfD) würde mit drei Prozent an der Sperrklausel scheitern, wenn die 45 Millionen erwarteten Wähler am 22. September so abstimmen, wie die 2.500 Wahlberechtigten aus der aktuellen Befragung antworteten. Gleiches gilt für die Piraten (die ebenfalls auf drei Prozent kommen) und alle anderen Parteien, die es zusammen auf fünf Prozent bringen.

Die mit Abstand wahrscheinlichste Regierungsoption wäre in solch einem Szenario eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb, weil das Bündnis aus CDU, CSU und FDP mit insgesamt 45 Prozent über eine absolute Mandatsmehrheit verfügt: SPD, Grüne und Linke würden nämlich zusammengerechnet nur bei 44 Prozent landen. Andere mögliche Koalitionen finden Sie in der neuen Telepolis-Umfrage, wo Sie tippen können, wie die Wahl am 22. September ausgeht und welches Bündnis danach eine Regierung bildet.

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