Grüner surfen

Physiker will Energieverbrauch von Websites minimieren

Es mag der insbesondere in protestantischen Ländern verbreitete Missionierungsdrang sein. Oder auch nur der Wunsch, irgendwas selbst gegen den Klimawandel tun zu wollen, etwas konkretes und nicht so abstraktes wie politisches Handeln, das auf große Veränderungen in der Gesellschaft und ihrer Industriestruktur zielt. Derlei Dingen gegenüber fühlt sich nämlich der deutsche Michel in der Regel ziemlich ohnmächtig, weshalb er meist ein großer Freund diverser Vermeidungsstrategien ist. Wie dem auch sei, Ratschläge für allerlei individuelle Verhaltensänderungen im Umgang mit Energie stehen nicht nur hierzulande hoch im Kurs.

Wie wäre es zum Beispiel damit?: Nur noch Websites anklicken, die garantiert energieoptimiert sind. Das schlägt die britische Zeitung Times vor. Internetnutzer sollten Serverbetreiber und Besitzer von homepages unter Druck setzen, für ihren Betrieb so wenig Energie wie nötig zu verbrauchen, empfiehlt in einem Gastbeitrag der Harvard-Physiker Alexander Wissner-Gross.

Er hat es nämlich genau ausgerechnet: Eine Google-Anfrage verursacht CO2-Emissionen von fünf bis zehn Gramm, das Lesen einer gewöhnlichen Seite hingegen etwa 20 Tausendstel Gramm pro Sekunde (mg/s). Bei anspruchsvolleren Seiten mit vielen Animationen oder gar Videos könnten es auch schon bis zu 300 mg/s sein. Besonders Energie verschluckend seien fehlerhaft programmierte Seiten. Die Seite des britischen Premierministers arbeite zum Beispiel nur mit 64 Prozent der möglichen Effizienz, hat Wissner-Gross herausgefunden. Die der Queen bringe es nur auf 54 Prozent und BBC gar nur auf 49 Prozent. Über den Effizienzgrad der Times erfahren wir hingegen nichts.

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