Hamas-Führer positionieren sich gegen Baschar al-Assad

Man sei nicht blind gegenüber dem, was in Syrien passiert - so die Botschaft, welche die Protestbewegung unterstützt

Führende Vertreter der Hamas haben sich gestern eindeutig gegen die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad und deutlich für die Protestbewegung in Syrien ausgesprochen. So grüßte Ismail Haniyya, der in der namhaften al-Azhar-Moschee in Kairo zu einer größeren Menge von Besuchern der Freitagspredigt sprach, die "heroische Bevölkerung Syriens, die nach Freiheit, Demokratie und Reform trachtet". "Die syrische Revolution ist eine arabische Revolution“, „Keine Hisbollah, kein Iran", soll die Menge nach dem Reutersbericht geantwortet haben.

Noch deutlicher hat in Gaza selbst ein anderes hochrangiges Hamas-Mitglied die Position dargelegt. Bei einer Versammlung im Flüchtlingslager Chan Yunis äußerte Salah al-Bardaweel vor einer größeren Zuhörerschaft Anteilnahme an der leidenden Bevölkerung in Syrien - "The hearts of the Palestinian people bleed with every drop of bloodshed in Syria" - und lieferte dazu auch eine politischen Botschaft, die gegen die Regierung in Damaskus gerichtet ist:

"No political considerations will make us turn a blind eye to what is happening on the soil of Syria."

Nationen könnten nicht besiegt werden, wird Bardaweel weiter zitiert. "Wir sind auf eurer Seite und auf der Seite aller freien Völker."

Das Verhältnis zwischen der syrischen Regierung und Vertretern der Hamasführung hatte sich schon länger abgekühlt. War Damaskus lange Zeit Zufluchtsort von Khaled Meschaal und anderen Hamas-Funktionären, so zeigte sich erst Ende Januar, dass den einstmals guten Beziehungen enge Grenzen gesteckt sind, wenn es um Reformen und die Protestbewegung geht, Meschaal wurde abgewiesen, als er eine Botschaft der Arabischen Liga überreichen wollte. Ende Januar wurde auch bekannt, dass Meschaal das Hauptquartier der Hamas in Damaskus verlassen und aufgegeben hat.

Die Situation würde es nicht mehr erlauben, dass die Hamas-Führung in Syrien bleibe, hieß es. Zur Situation gehörte wohl auch, dass Hamas-Vertreter öffentlich ihre Sympathien für die Aufstände in den arabischen Ländern erklärt hatte. Zu Syrien schwieg man aber lange - entgegen der Stimmung, die sich unter Palästinensern zeigte. Nun hat man sich auf eine Seite gestellt, man darf gespannt sein, wie dies weiter kommentiert wird.

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