Hambacher Forst: RWEs Aktienkurs sackt ab

(Bild: Foto von 2015; Infoletta Hambach / CC BY-SA 2.0 )

Selbst konservative Blätter wundern sich, weshalb der Konzern so stur an der Ausweitung seines Tagebaus festhält und dafür einen großen Imageschaden in Kauf nimmt. Update: Journalist im Hambacher Forst tödlich verunglückt

Die Tageszeitung Die Welt fragt wie auch andere, ob die Rodung des Hambacher Forstes, um den Tagebau Hambach auszuweiten, wirklich den enormen Imagschaden wert ist, den RWE momentan dadurch erleide.

Trotz hartnäckiger Proteste, Besetzungen und Demonstrationen halte der Konzern beharrlich an seinem Vorhaben fest. Die Umweltverbände haben, wie berichtet, für den 6. Oktober eine bundesweite Demonstration angekündigt und die Kampagne EndeGelände plant für Ende Oktober Aktionen zivilen Ungehorsams.

Der Hambacher Forst sei, so schreibt Die Welt, zu einem Symbol für Klimaschützer und Kapitalismuskritiker geworden. Es gebe Boykottaufrufe gegen RWE, und der Aktienkurs des Unternehmen lasse deutlich nach. Nachdem sich der Börsenkurs des Konzerns seit Jahresbeginn besser als der DAX entwickelt habe, verlor RWE seit Beginn der Räumung 500 Millionen an Börsenwert. Die Koinzidenz sei auffallend, auch wenn damit noch kein Zusammenhang nachgewiesen sei.

Aber vielleicht sind RWE die Boykottaufrufe ja egal. Benedikt Müller weist in der Süddeutschen Zeitung darauf hin, dass RWE viele seiner Kunden an Innogy ausgelagert habe. Die Stromkunden könnten den Konzern also gar nicht treffen. Außerdem solle der Vertrieb demnächst an E.on übergehen.

Wer aber E.on schädige, der treffe den Falschen, denn E.on verbrenne schon heute gar keine Braunkohle und werde ab 2022 ganz aus der Stromproduktion ausstiegen. Dann sei das Unternehmen nur noch Stromhändler. Der – so muss man ergänzen – auch mit Kohlestrom sein Geschäft macht, weshalb er dann doch nicht ganz der Falsche ist. Er müsste den Druck nur eben an seine Lieferanten weitergeben.

Jedenfalls scheinen die Boykottaufrufe erhört zu werden, oder die Stromkunden nehmen die drohende Rodung im Hambacher Forst zum Anlass, den Wechsel des Stromanbieters endlich zu vollziehen, den sie ohnehin schon lange vorgehabt hatten. Greenpeace Energy berichtet jedenfalls von einem regen Zulauf.

Der genossenschaftlich organisierte Anbieter von Ökostrom und -gas zählt 500 neue Kunden seit Beginn der Räumung. Das seien doppelt so viele wie in der Vorwoche gewesen, in der es bereits eine deutlich überdurchschnittliche Nachfrage gegeben habe. "Wir erleben derzeit eine der größten Wechselwellen seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011, als viele Verbraucherinnen und Verbraucher den Atomkonzernen den Rücken kehrten", meint Greenpeace-Energy-Vorstand Nils Müller.

Die Neukunden kämen vor allem von konventionellen Anbietern. In etwa ein Drittel und damit mehr als sonst würden den Tarif "Solarstrom plus" wählen. Mit dem einen Cent als Förderbeitrag, den dieser enthält würde der Aufbau von Solaranlagen in den Braunkohleregionen unterstützt.

Außerdem kommt bei diesem Tarif zehn Prozent des verbrauchten Stroms aus Solaranlagen in der Braunkohleregion, die mit Greenpeace Energy einen Vertrag haben, heißt es bei dem Hamburger Unternehmen.

Der Einfluss privater Kunden ist allerdings begrenzt. Auf ihr Konto ging 2016 bundesweit lediglich ein Viertel des Stromverbrauchs. 29 Prozent wurde von Handel und Gewerbe und 44 Prozent von der Industrie verbraucht.

Update: Am Mittwochnachmittag ist ein Journalist im Hambacher Forst durch einen Sturz aus großer Höhe tödlich verunglückt, wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung schreibt. Die Räumung sei bis auf Weiteres augesetzt.

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