Handelsstreit: Schmiedet China Anti-Trump-Bündnis?

Wird das Tischtuch bald zerrissen? Die Präsidenten Trump und Xi Jinping an der gemeinsamen Tafel (8. Juli 2017)

(Bild: Weißes Haus. Gemeinfrei)

Die USA brüskieren Freund wie Feind mit neuen Zöllen. Eskaliert der Streit zum Jeder-gegen-jeden oder kommt es zu einer koordinierten Antwort der Betroffenen?

Asia Times Online berichtet über chinesische Bemühungen, ein Zweckbündnis auf den Weg zu bringen. Hintergrund sind die Zölle, mit denen die US-Regierung diverse Importwaren aus den wichtigsten Industrie- und Schwellenländer belegen will. Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, dass unter anderem auch die Nachbarn Kanada und Mexiko sowie die EU betroffen sein werden.

Die EU-Kommission kündigte umgehend eine Klage vor dem Schiedsgericht der Welthandelsorganisation WTO an, und Kanadas Premierminister Justin Trudeau bezeichnete am Wochenende die Begründung der Trump-Regierung für die Zölle auf kanadischen Stahl (25 Prozent) und Aluminiumeinfuhren (zehn Prozent) als Beleidigung. Washington ließ wissen, dies geschehe aus Gründen der nationalen Sicherheit.

Damit, so der Autor des Asia-Times-Beitrags, stiegen Xis Chancen, dass er die betroffenen Länder tatsächlich an einem Tisch bekommen könnte. Entsprechende Avancen habe die chinesische Regierung in Brüssel und anderen Hauptstädten bereits seit Monaten gemacht, nicht zuletzt auch in Ostasien. Japan wird zum Beispiel insbesondere unter einem 25-Prozent-Zoll auf seine in die USA exportierten Pkw zu leiden haben.

Aber auch die Alternative zu einer Koordination der Zoll-Geschädigten zeichnet sich ab. Hiesige Industrielle machen prophylaktisch gegen China mobil, weil sie einen verstärkten Druck fernöstlicher Produkte auf den EU-Markt befürchten. Und die EU-Kommission kündigt im gleichen Atemzug mit der Anrufung der WTO auch Maßnahmen gegen China an, weil dieses das Urheberrecht europäischer Unternehmen verletze.

Die Zeichen stehen also auf Wirtschaftskrieg, wie die Welt meint. Glaubt man ihr, dann ist Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier der einzige Fels der Vernunft in einem Meer der Hysterie, weil er nichts von "Vergeltung, Gegensanktionen und Kriegsgeschrei" halte. Wie leicht man sich doch lächerlich machen kann, wenn der Horizont mit Berliner Laternenpfählen verstellt ist.

Derweil rät der Asia-Times-Autor Beijing, vor allem das Bündnis mit Seoul und Tokio zu suchen. Die drei Länder sollten mit verstärkter Kooperation auf die Zumutungen aus Washington reagieren. So könnte zum Beispiel nach Wegen gesucht werden, die Währungsreserven in einem Pool einzusetzen.

Dabei geht es um immerhin 4,8 Billionen US-Dollar. Auch sollte der Handel zwischen Japan, Südkorea und China weiter erleichtert und die Börsen miteinander verbunden werden.

Für den Frieden in der Region wäre das sicherlich ein Gewinn, weil es die Spannungen zwischen Japan und der Volksrepublik abbauen könnte. Dem steht bisher jedoch die in Japan regierende Rechte im Wege, der allerdings durch Trumps Agieren die Rückendeckung abhanden kommt.

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