Handelsstreit: Trump schwächt den US-Dollar

China zieht bei den Zollerhöhungen nach, agiert aber weniger aufgeregt. Als Reaktion auf die US-Politik nimmt die Bedeutung der chinesischen und japanischen Währung in Fernost zu

Nachdem US-Präsident Donald Trump Ende letzter Woche die Zölle auf chinesische Waren erheblich erhöht hat, kommt jetzt die Antwort aus China. Ab 1. Juni werden an Chinas Außengrenzen erhöhte Zölle auf Einfuhren aus den USA erhoben. Die Sätze sollen für unterschiedliche Warengruppen auf 10-25 Prozent angehoben werden und betreffen Einfuhren, deren Wert im vergangenen Jahr einen Umfang von 60 Milliarden US-Dollar hatte. Das berichtet die in Hongkong erscheinende South China Morning Post.

Das war also noch nicht unbedingt mit gleicher Münze heimgezahlt. Die US-Regierung hatte am Freitag die Zölle auf Warengruppen von 10 auf 25 Prozent angehoben, von denen aus China im vergangenen Jahr im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar in die USA eingeführt wurde. Zugleich wurde am Wochenende aus Washington eine darüber noch hinausgehende Ausweitung der Zölle auf chinesische Waren angedroht.

Die Gespräche zwischen den beiden Kontrahenten gehen zwar weiter, aber der Ton wird zunehmend gereizter. Die Montagsausgabe der South China Morning Post zitiert Chinas ehemaligen Vize-Minister für Handelsfragen Wei Jianguo. Sein Land sei auf „einen langanhaltenden Krieg“ vorbereitet.

China habe noch manchen Pfeil im Köcher. Naheliegendes Ziel seien die Einfuhren von Agrarprodukten aus den USA wie etwa Weizen. Damit könnte die Wählerschaft Donald Trumps direkt getroffen werden.
Möglich seien aber auch Beschränkungen für Fahr- und Flugzeuge. Letzteres würde neben Tesla insbesondere den US-Luftfahrt-Konzern Boeing empfindlich treffen. Als Morgengabe zu den bilateralen Abmachungen über Handelsfragen, um die derzeit so verbissen gerungen wird, hatte China versprochen 100 Boeing-Maschinen im Wert von über zehn Milliarden US-Dollar zu kaufen.

Am Letzteren wird deutlich, dass es auch Unternehmen und Staaten geben wird, die vom Streit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt profitieren könnten. Eventuell könnte der entsprechende Auftrag oder ein größerer Teil davon an Airbus gehen.

Auch sonst hat das Ringen der Giganten interessante Nebenwirkungen. China, Japan und Südkorea, in vielen Fragen höchst zerstritten, haben in der Handelspolitik sehr ähnliche, auf Freihandel setzende Positionen und sind ökonomisch ohnehin bereits stark verflochten. Trumps erratische Ausfälle, unter denen auch Südkorea und Japan zu leiden haben, sind ein Anreiz, die Kooperation zu verstärken.

Das trifft auch auf die größere Region Ost- und Südostasiens zu. Am Rande eines Treffens der Asiatischen Entwicklungsbank ADB auf Fidschi haben Anfang des Monats die drei genannten ostasiatischen Länder sowie die Mitglieder der südostasiatischen Allianz (ASEAN) den Ausbau der sogenannten Chiang-Mai-Initiative vereinbart. Dies berichtet Asia Times Online.

Dabei handelt es sich um einen Währungsfonds, der ähnlich wie der von Washington und seinen westlichen Alliierten dominierte Internationale Währungsfonds Staaten im Falle von Schwierigkeiten bei der Bedienung ihrer Schulden mit Stützkrediten unter die Arme greifen soll.

Der Fonds verfügt bereits über Einlagen im Wert von umgerechnet 240 Milliarden US-Dollar. Deren Auszahlung in Form von Krediten könnte demnächst vereinfacht werden und die Mittel weiter aufgestockt werden. Außerdem sollen Zahlungen künftig auf Wunsch auch in japanischen Yen oder chinesischen Yuan erfolgen. Dadurch verringert sich die Abhängigkeit der Länder Ost- und Südostasiens von der US-Währung weiter.

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