"Hartnäckiger Sockel in der Arbeitslosigkeit"

Die BA beziffert die Hartz-IV-Langzeitbezieher auf etwa 3 Millionen

Zum Jahresende liefert die Bundesanstalt für Arbeit eine Zahl, an der augenscheinlich nicht viel zu rütteln ist. Übermittelt wird sie von der Südddeutschen Zeitung, der entsprechende Auskünfte der BA vorliegen sollen. Laut SZ-Bericht sind etwas mehr als drei Milionen Hartz-IV-Empfänger sogenannte Langzeitbezieher. Dazu wird gerechnet, wer im Zeitraum von zwei Jahren, mindestens 21 Monate lang, die Grundsicherung bezogen hat.

Die Zahl hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, weswegen das Phänomen dahinter von BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt als "hartnäckiger Sockel in der Arbeitslosigkeit" oder "harter Kern" umschrieben wird. In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl von 3,27 Millionen um gerade mal 240.000 auf 3,03 Millionen gefallen. Insgesamt wird die Zahl der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger auf 4,33 angegeben.

Nicht ganz die Hälfte des "hartnäckigen Sockels" der drei Millionen Hartz-IV-Langzeitbezieher, 1,35 Millionen, werden als Langzeitarbeitslose geführt. Die andere, größere Hälfte sind Personen, die für eine Vermittlung nicht zur Verfügung stehen. Genannt werden insbesondere Alleinerziehende und Aufstocker. Darüberhinaus konstatiert die BA einen jährlichen Drehtüreffekt bei etwa einer Million. So viele würden pro Jahr neue Arbeit bekommen und etwa genau so viele würden jährlich vom Arbeitplatz in die "Grundsicherung rutschen". Bei neu vermittelten Arbeitnehmern, die zuvor Hartz-IV empfingen, will man künftig mit begleitenden "Coaching-Maßnahmen" dafür sorgen, dass sie im Job bleiben. Die zur Absicherung gedachte Maßnahme findet allerdings ihre Grenzen dort, wo der Arbeitgeber aus wirtschaftlichen Kalkülen heraus kündigt.

Beim "harten Kern" der Hartz-IV-Empfänger gehe es häufig um ein Bündel von Problemen, Vor der Vermittlung neuer Stellen müssten oft erst die Voraussetzung für eine Beschäftigung geschaffen werden, wird Alt zitiert. Viele hätten mit Schulden und Krankheiten zu kämpfen, angedeutet werden auch Drogenprobleme. Diese Empfänger müssten zunächst "stabilisiert werden und die Haushalte entschuldet".

"Das alles dauert seine Zeit, Erfolge zeigen sich deshalb nicht unbedingt von heute auf morgen."

In den Zahlen spiegelt sich wider, was in diversen Armutsberichten, die zuletzt erschienen ( "Wenn es das fünftreichste Land der Welt nicht schafft, wer dann?"), schon ablesbar war: Dass die Zahlen der Langzeitbezieher in bestimmten Regionen besonders deutlich stiegen, so in Bremen und in Nordrhein-Westfalen. In den Ruhrpottmetropolen wird es für die Bewohner seit Jahren immer schwieriger, an Arbeit und genügend Lohn zu kommen.

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