Hausgemachte Terroristen

Tunesien: Polizisten als Plünderer und Schläger sollen soziale Proteste diskreditieren

Anfang der Woche sprach Ben Ali in einer Ansprache an die tunesische Bevölkerung noch davon, dass "feindliche Elemente, die vom Ausland bezahlt werden und ihre Seele an den Extremismus und den Terrorismus verkauft haben" für die Unruhen verantwortlich seien (siehe Der Feind Tunesiens).

Wie der Bericht eines französischen Diplomaten offenbart, steckt der Ex-Präsident selbst hinter Gruppen, die für Gewalteskalationen während der Demonstrationen der letzten Tage verantwortlich waren, nicht zuletzt für brutale Angriffe auf Zivilisten. Von "Milizen" oder "Partisanen Ben Alis" spricht der Diplomat gegenüber einer Nachrichtenagentur.

Er selbst sei Augenzeuge gewesen, wie "Gangs" von Polizisten in Zivil, mit Metallketten, Eisenstöcken und Knüppeln bewaffnet, gefordert hätten, dass Personen ihre Wohnungen verlassen, um sie auf der Straße zu verprügeln. Das sei bislang der deutlichste Beweis dafür, dass vom Staatschef geleitete Sicherheitskräfte für Gewaltauschreitungen verantwortlich sind, so der Nouvel Observateur. In Twittermeldungen taucht dieser Vorwurf in vielen Berichten immer wieder auf; so sollen auch Plünderungen auf das Konto von Polizeikräften gehen, die auf das Kommando von Ben Alis alter Mannschaft hören. Menschenrechtsgruppen hatten verschiedentlich darauf hingewiesen, dass das Regime alles unternehme,um die Demonstrationen zu diskreditieren.

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