High Definition Vinyl

Neben der Spur

Die Schallplatte soll neu erfunden werden. Das Pistolen Emoji bei Twitter übrigens auch

Aus dem fernen Österreich erreicht uns gerade der Bote mit der Kunde, dass die allseits geliebte und schon von der Kaiserin - Gott habe sie selig - geschätzte Schallplatte eben einer entscheidenden Verbesserung unterzogen wurde. Wie von diversen Gazetten berichtet, haben die Herren von Rebeat Innovation ihre Arbeit aufgenommen und die herkömmliche Vinyl-Platte mittels gezieltem Einsatz von Laser zu einer HD-Vinyl-Abspieleinheit verbessert, die eine 30 Prozent höhere Dynamik und gar 40 Prozent längere Abspielzeiten erreichen soll. Sagt der Kenner vielleicht:

"Wo brauch i des. De Ampletudn samma wuascht, und won i a längere Obspuizeit brauchat, drah i de 33 1/3 oafoch runta."

Gut, kann man so sagen, für alle anderen Freunde gepresster Musik könnte die auch auf herkömmlichen Geräten abspielbereite sonographische Sensation tatsächlich einiges bieten. Nie wieder wird beim berühmten Stück "1812" der Kanonendonner die Nadel aus der Rille fetzen. Ab jetzt gibt es eine reale Chance, dass eine Vinyl-Scheibe in HD-Qualität die Ohren aller Audiophilen verzückt, die vermutlich auch die Nadel in den Heuhaufen fallen hören. Und vermutlich wird das die LP, die ja nun eine LerP mit 40 Prozent mehr drauf sein wird, auch mehr kosten könnte.

Das wird der Kaiserin vermutlich gar nicht gefallen.

In die gleiche und doch irgendwie andere Richtung geht auch die Nachricht, dass Twitter seine Emoji überarbeitet hat und nun statt der allgemein als sehr gefährlich bekannten Darstellung einer Handfeuerwaffe mit dem Bild einer Wasserpistole aufwartet. Das ist eine entscheidende Verbesserung der Weltsituation und wird den Frieden auf dem Planeten um Jahre nach vorne bringen. Schon alleine deshalb, weil nun Nachahmungstäter sich vor ihrem nächsten Shoolshooting sagen werden:

"Mhm. Das ganze mit einer Wasserpistole durchzuziehen, wäre vielleicht noch sportlicher."

Und wo der dann Recht hat, hat er Recht. Zumindest blieben mehr am Leben, die ihm dafür Beifall zollen können. Hilfe zur Selbsthilfe, immerhin schafft es Twitter, Waffen abzuschaffen, sonst scheinbar niemand in den USA. Der vollkommen falsche Weg wäre es jetzt, eine Schusswaffe mit 40 Prozent mehr Inhalt und 30 Prozent mehr Knall auf den Markt zu bringen. Um den Verkauf von Pistolen in den USA deutlich einzudämmen, müsste der Produzent von Schusswaffen vielleicht einen Brustnippel auf dem Gewehrkolben abbilden. Oder aber dem ganzen Ding das Aussehen einer Wasserpistole verleihen. Twitter macht es vor.

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