Hit Q to Quit Fucking

Die 8-Bit-Pornowelle rollt weiter

Nachdem im April dieses Jahres bereits der auf dem Commodore 64 populäre Spieltitel Sex Games von der BpjM nach 25 Jahren automatisch vom Index gestrichen wurde und damit nicht mehr indiziert und als jugendgefährdend klassifiziert ist, folgenden nun peu-a-peu weitere einschlägige Titel. Im September wurde der recht unbekannte "Sex Cartoons" - ebenfalls für den C64 – automatisch aus dem Giftschrank geholt. Dies scheint bei genauerem Hinsehen vielleicht ein Fauxpas gewesen zu sein.

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Vergrößern Bild: Screenshot Stefan Höltgen

Das Spiel vereint gut ein Dutzend Standardsituationen der Pornografie als kleine, animierte Comics: Zunächst wird ein Bild geladen, das bereits das Potenzial einer "verfänglichen Situation" zeigt (etwa eine Blondine im Bikini am Strand und einen in der Branche stets verdächtigen Bademeister) nach dem Drücken einer Taste wird dann das erste Bild der Pornoszene gezeigt, das durch weiteres Tastendrücken mit einem zweiten Bild abwechselt, wodurch eine recht grobe Animation auf den Bildschirm gelangt. (Einige Episoden bestehen sogar aus mehr als einem Bild und einer Animation.) Hat man genug gesehen (oder Tasten gedrückt), gelangt man durch "Q" zur nächsten Szene. Am Ende erhält der Spieler noch den guten Ratschlag: "IF YOU THINK / FUCK IST FUNNY / FUCK YOU SELF / AND SAVE YOUR MONEY!!! / EIN GUTER TIP / VON EURER / BEATE UHSE / END". Es ist anzunehmen, dass dieser Tipp nicht wirklich aus Flensburg stammt ...

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Vergrößern Bild: Screenshot Stefan Höltgen

So "billig" Darstellung und Erotik sind (und das Programm recht eindeutig als Werk eines jungen Programmierers erkennbar ist), so einfach ist auch der Code gestaltet: Ein anfänglich zu ladendes BASIC-Programm liefert die Nachlade-Routine für die Bilder sowie die Tastaturabfragen zum Weiterschalten der Bildinhalte. Die Animationen werden durch kleine Maschinensprach-Routinen realisiert, in denen abwechselnd zwei mit den latenten Einzelbildern geladene Speicherbereiche in den Bildschirmspeicherbereich verschoben, bzw. dessen Pointer auf diese RAM-Bereiche umgelenkt werden. Dementsprechend wurde das Programm auch nicht professionell vertrieben, sondern das Autorenkürzel TBC steht wohl eher für einen jungen Coder, der mit seinem Elaborat auf dem Schulhof Tauschhandel betrieben und Respekt geerntet hat.

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Vergrößern Bild: Screenshot Stefan Höltgen

Diesem Umstand ist es wohl auch zu verdanken, dass der Inhalt der Demonstration die Grenzen des nicht bloß in den 80ern legal Zeigbaren schon recht deutlich überschreitet: Auch heute noch und trotz der spärlichen grafischen Auflösung von 320x200 Bildpunkten erscheint es als recht "delikat", dass in einzelnen Szenen auch Kinder (etwa ein Schüler und seine Lehrerin) und Tiere (zwei Bauern und eine Kuh und eine Frau und ihr Hund) eine Rolle spielen. Nicht nur aber wohl vor allem dies mag die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften am 16.10.1987 dazu bewogen haben, das Programm wegen jugendgefährdender Pornografie nach StGB §184 auf den Index zu setzen. (Der Indizierungsbescheid ist hier im Wortlaut nachzulesen.)

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Vergrößern Bild: Screenshot Stefan Höltgen

Nun verwundert es aber auch genau aufgrund dieser als "harte Pornografie" strafbaren Darstellungen, dass das Programm jetzt wieder freigegeben ist – angesichts von Bestrebungen, in denen selbst der bloße Anschein von Jugendlichkeit in pornografischen Produkten (Stichwort: Scheinminderjährigkeit) als strafbar gilt. Eine Liberalisierung der Indizierungspraxis scheint aus der Freigabe von "Sex Comics" allerdings kaum ablesebar zu sein – viel mehr eine Art "Schlupfloch", das durch zwei Tatsachen geöffnet wurde: 1. die automatische Streichung nach 25 Jahren und 2. die Tatsache, dass für eine Neuprüfung in der BpjM heute wohl weder die notwendige Hardware noch Sachkenntnis, das Programm zu starten, bei den Prüfern vorhanden sein dürfte.

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