IAA: Götterdämmerung einer Leitindustrie

Beratungen von Angela Merkel mit Hildegard Wortmann und Abraham Schot (beide Audi) - IAA 2019. Bild: Johannes Maximilian/ CC BY-SA 4.0

Krisen-Messe wird von massiven Protesten begleitet, die die Verkehrswende einfordern

War das jetzt der Anfang vom Ende? Die zu Ende gehende Internationale Automobilausstellung IAA in Frankfurt machte die tiefe Transformationskrise der deutschen Automobilbranche mehr as deutlich. Erstmals waren die meisten internationalen Hersteller ferngeblieben. Deutschland und Westeuropa sind nicht mehr der Nabel der Automobilwelt. Die Musik spielt inzwischen woanders, und zwar vor allem in China.

Und dort wird auf Elektroantriebe umgestellt – eine Entwicklung, die die hiesige Industrie über ihre SUV-Obsession und Betrügereien verschlafen hat. Einiges wird man vielleicht noch aufholen können, aber selbst im Inland hat man den Markt bisher lieber belächelten Neugründungen überlassen, ganz so wie die alten Energiekonzerne zu lange der eigenen Propaganda glaubten, wonach die Stromversorgung niemals mit erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden könne.

BMW scheint derweil immer noch nicht verstanden zu haben, was die Stunde geschlagen hat. In Frankfurt stellte das Unternehmen stolz seine Wasserstoffforschung vor. VW- Chef Herbert Diess machte sich ganz zu Recht darüber lustig und fragte, wo denn der Wasserstoff herkommen solle.

Entweder habe er einen noch schlechtere CO2-Bilanz als Benzin, wenn er z.B. mit Braunkohle-Strom gewonnen werde, oder aber er stelle eine Verschwendung von Ökostrom dar. Der Gesamtwirkungsgrad von Wasserstoff, der aus Strom per Elektrolyse gewonnen und dann in einem Pkw eingesetzt wird, ist nämlich erheblich schlechter, als wenn der Strom einfach in einen Akku geladen und der Pkw mit einem Elektromotor angetrieben wird.

Proteste

Da haben es Umweltschützer besonders leicht, einen Abgesang auf die IAA anzustimmen.

"Die Messe ist gesungen. Eine IAA in dieser Form wird es sicher nicht mehr geben. Die Zeiten, in denen VW, Daimler, BMW und Co. sich und ihre zerstörerischen Blechkisten ungestört feiern, sind vorbei."

Marie Klee, "Sand im Getriebe"-Sprecherin.

Rund 1.000 Menschen hatten nach Angaben des Aktionsbündnis "Sand im Getriebe" am Sonntag den Haupteingang der Messe blockiert. Auch an Seiteneingängen gab es Blockaden, zudem wurde der Busverkehr zum Messegelände behindert. Dei Menschen hätten sich mit ihren Körpern der Autoindustrie in den Weg gestellt. Die Teilnehmerzahl habe alle Erwartungen übertroffen.

Man habe zeigen wollen, dass nur eine radikale Verkehrswende die Klimakrise aufhalten könne. Die Aktionen in Frankfurt seien erst der Anfang. "Wir streiten an vielen Orten weiter für die Verkehrswende, bis unsere Städte und Straßen wieder für Menschen da sind, statt für Autos", meinte Tina Velo eine andere Bündnissprecherin.

Auch die Umweltorganisation Robin Wood hatte gegen die IAA protestiert. Der "Trend zu immer größeren, schwereren und hochmotorisierten Autos" müsse per Gesetz gestoppt werden. "In den Innenstädten brauchen wir breitere Gehwege und breitere Radwege, aber keine breiteren Autos", meint Dominique Just, bei Robin Wood für den Bereich Mobilität verantwortlich.

E-Autos seien nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Die effektivste Form der E-Mobilität rolle bereits auf der Schiene. Statt E-Autos zu fördern, solle das Geld lieber in den Ausbau von Bahn, ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) und Radverkehr gesteckt werden.

Am Samstag hatten außerdem nach Veranstalter-Abgaben mehr als 25.000 Menschen an einer Fahrradsternfahrt sowie an einer Demonstration gegen die IAA teilgenommen. Aufgerufen hatten der ADFC Hessen, Attac, der BUND Hessen, die BUND-Jugend, das Bergwald Projekt, Changing Cities, Fuss e.V., Greenpeace Frankfurt, Klima- und Umweltbündnis Stuttgart, die Klimaliste Erlangen, der NABU, die NaturFreunde Hessen, das Umweltinstitut München, Powershift, der Fahrgastverband Pro Bahn, der Radentscheid Frankfurt, Radkomm aus Köln, der VCD Hessen, die Volksinitiative Aufbruch Fahrrad aus NRW sowie die Linkspartei, die Grünen, die Piratenpartei und die V-Partei³.