IWF: "Das Schlimmste noch nicht hinter uns"

Ende der Krise nicht in Sicht

Beim IWF, der mit seinen Prognosen vor und in der Krise gern daneben langte, setzt sich der Schlingerkurs fort. Offenbar ruderte Strauss-Kahn angesichts neuer Wirtschaftsdaten aus den USA nun vorsorglich etwas zurück. Denn trotz der Konjunkturprogramme ist die Lage weiter finster. Nach der am Freitag veröffentlichten zweiten BIP-Schätzung des Handelsministeriums ist die US-Wirtschaft im ersten Quartal, hochgerechnet auf das Jahr, um fast 6 % geschrumpft. Der Konsum fiel schwächer aus als erwartet und damit auch der Abbau der Lagerbestände.

Das lässt vermuten, dass trotz der vielen Programme die Industrieproduktion nicht wirklich auf die Beine kommt. Deshalb darf man sich nicht darüber wundern, wenn die die US-Industriekapazitäten weiter schwinden und zudem die Auslastung der bestehenden Kapazitäten sinkt, obwohl die seit fünf Monaten schrumpfen. Die Auslastung ist auf den niedrigsten Stand seit 1967 gesunken, als mit den Aufzeichnungen der Daten begonnen wurde. Mit 68,3 % lag sie trotz geschrumpfter Kapazitäten fast 13 % unter dem Durchschnitt.

Auch diesseits des Atlantiks sieht es nicht gut aus. Vor allem gehen laut IWF und EZB noch immer große Gefahren vom Finanzsektor aus. Trotz der kleinen Anzeichen einer Stabilisierung und der Gegenmaßnahmen bleibe die Finanzbranche weiter sehr anfällig, urteilte die EZB. "Die größten Risiken liegen im weiteren Vertrauensverlust innerhalb des Finanzsystems und in der weiteren Erosion der Kapitalbasis der Banken und der Bewertung von Papieren in deren Bilanzen." Der EZB-Vizepräsident Lucas Papademos warnte am Montag in Frankfurt auch davor, dass die "ohnehin schon schwere Rezession tiefer ausfällt und länger dauert als bislang erwartet".

Weitere Milliardenabschreibungen bei Banken seien wahrscheinlich, sagte er: "Es gibt keinen Grund für Selbstgefälligkeit, denn die Risiken für die Stabilität des Finanzsektors bleiben hoch, besonders weil der Kreditzyklus sein Tal bislang noch nicht erreicht hat", heißt es im EZB-Finanzstabilitätsbericht, der halbjährlich erstellt wird. Damit kritisiert die Zentralbank indirekt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Denn auch sie macht vor den Wahlen auf schönes Wetter und erklärte, die deutschen Banken hätten die schlimmste Phase der Krise hinter sich. Die EZB geht davon aus, dass bei Banken, Versicherungen und Hedgefonds weiter große Risiken lauern. Erwartet wird 2009 und 2010 ein Abschreibungsbedarf in der Euro-Zone von 280 Milliarden Euro. Doch damit bleibt die EZB noch deutlich hinter dem IWF zurück, der für diesen Zeitraum mit weiteren Abschreibungen von 585 Milliarden Dollar rechnet.